Herausragende Beiträge zur Griechenland-Debatte

In diesem Blogartikel werden Medienbeiträge (Berichte, Kommentare, Videos etc.) verlinkt und vorgestellt, die mir als besonders relevant und informativ erscheinen.

Griechenland ./. Eurogruppe (Nord)
  • ARD-Interview mit Yanis Varoufakis nach seinem Besuch bei EZB-Präsident Draghi – (Video, 10 Min.) 04.02.2015
  • Machtverhältnisse in Europa: Was Juncker und Tsipras eint – Kommentar von Daniel Brössler – Süddeutsche, 04.02.2015
    • „EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht eine Chance in Griechenlands neuem Regierungschef Alexis Tsipras. Mit seiner Hilfe könnte er seinen Spielraum gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel vergrößern. Im europäischen Nord-Süd-Konflikt um die Grundsatzfrage, ob orthodoxes Sparen echtes Wachstum verhindert, scheint Juncker jedenfalls dem Süden zuzuneigen.“
  • Varoufakis will kein „business as usual“ mehr – Süddeutsche Zeitung, 04.02.2015
    • „Der griechische Premier Tsipras und sein Finanzminister Varoufakis werben in Europa für ihr Programm: Tsipras unter anderem bei Kommissionschef Juncker in Brüssel, Varoufakis bei EZB-Chef Draghi in Frankfurt. Griechenlands neue Regierung will das Sparpogramm neu verhandeln und nicht mehr mit der Troika in ihrer derzeitigen Form zusammenarbeiten. Eine Einigung ist dringend nötig, weil Ende Februar das Hilfsprogramm ausläuft.“
      • Interessant ist vor allem der zweite Teil des Artikels („Die Hintergründe der Tour durch Europa“) über die Haltung der europäischen Staaten und Organe gegenüber ihren griechischen Gesprächspartnern, über die gegenwärtigen, bereits extrem günstigen Kreditbedingungen Griechenlands und über die Eile, in der Lösungen gefunden werden müssen.
  • Finanzminister Varoufakis – Athen schlägt Lösung im Schuldenstreit vor – FAZ, 03.02.2015
    • „Griechenland hat erstmals konkrete Ideen präsentiert, um den Streit mit seinen Gläubigern beizulegen. Unter anderem schlägt Finanzminister Varoufakis Anleihen mit unbegrenzter Laufzeit vor. Damit vermeide man den Begriff „Schuldenschnitt“, der in Deutschland inakzeptabel sei.“
  • Ein Grexit wäre noch immer gefährlichWolfgang Münchau – Spiegel Online, 02.02.2015
    • „Deutschland ist mit seinem Beharren auf der Sparpolitik inzwischen international isoliert. Wenn die Bundesregierung jetzt nicht nachgibt, droht ein Euro-Austritt Griechenlands mit dramatischen wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen.“
  • Griechische Forderung nach Entschädigung: Der Bankraub der NazisChristian Rickens – Spiegel Online, 02.02.2015
    • „In Athen kursieren Gedankenspiele, deutsche Schulden aus dem Jahr 1942 zurückzufordern. Doch nicht nur in Griechenland, überall in Europa haben die Finanzexperten der Nazis mit perfiden Methoden besetzte Staaten ausgeplündert.“
  • Mögliche Hilfen aus Moskau: Griechenlands Risiko, Russlands ChanceNicolai Kwasniewski – Spiegel Online, 31.01.2015
    • „Griechenland kann eine Zusammenarbeit mit Moskau als Druckmittel gegen EU-Forderungen nutzen. Die griechische Wirtschaft würde davon profitieren, weil viele Exporte nach Russland gehen. Der Kreml hat genug Devisenreserven, um einen großzügigen Kredit zu vergeben.“
      • Die Interessen und Möglichkeiten beider Länder an einer von der EU unabhängigen Kooperation und deren Potential werden analysiert und beurteilt.
  • Caught On Tape: Dijsselbloem To Varoufakis: „You Just Killed The Troika“ – Tyler Durden – Zero Hedge, 31.01.2015
    • „Yesterday saw the clearest example yet of Europe’s anger that the Greeks may choose their own path as opposed to following the EU’s non-sovereign leadership’s demands when the most uncomfortable moment ever caught on tape – the moment when Eurogroup chief Jeroen Dijsselbloem (he of the „template“ foot in mouth disease) stood up at the end of the EU-Greece press conference, awkwardly shook hands with Greece’s new finance minister, and whispered…“you have just killed the Troika,“ to which Varoufakis responded… „wow!“*
      • Tyler Durden hat den Moment des Eklats minutiös anhand der TV-Übertragung der Pressekonferenz dokumentiert.
  • Troika-Aus in Athen: Ein Abschied, bei dem keiner weint – Christian Rickens – Spiegel Online, 31.01.2015
    • „Griechenland beendet die Zusammenarbeit mit der Troika: Das klingt nach Eklat – kommt dem Rest Europas in Wahrheit jedoch nicht ungelegen. Denn auch dort überwiegen die Zweifel an der Beamtendelegation.“
  • Reformstopp in Griechenland: Feiern, bis der März kommt – Florian Diekmann – Spiegel Online, 29.01.2015
    • In Griechenland brechen Investitionen und Steuereinnahmen ein, gleichzeitig steigen die Ausgaben. Wenn keine neuen Geldgeber gefunden werden, steht das Land wahrscheinlich im Frühjahr vor dem Bankrott.“
      • Die aufgrund der Rücknahme der „Einspar-Reformen“ steigenden Staatsausgaben Griechenlands und deren geplante Gegenfinanzierung werden vorgerechnet und die weitere finanzielle Entwicklung auf dieser Basis eingeschätzt.
  • Alternative aus Athen – Kommentar von Armin Jelenek – Nürnberger Nachrichten, 28.01.2015
    • „Tsipras ist alles andere als ein wirtschaftspolitischer Amokläufer. Er probiert vielmehr einen zweiten Weg aus, nachdem der von Europa gewiesene sich als Sackgasse herausgestellt hat. Brüssel sollte Tsipras dabei unterstützen — sonst sehen wir unsere Kredite vielleicht tatsächlich nie wieder.“
      • Armin Jelenek erläutert die ökonomische Problematik Griechenlands und die beiden unterschiedlichen Lösungsansätze leicht verständlich. Guter Einführungsartikel.
  • Was passiert, wenn Griechenland den Euro verlässt? – Interaktive Grafik – Spiegel Online, Januar 2015
    • Detaillierte Darstellung der zu erwartenden Folgen eines „Grexit“.
Yanis Varoufakis (Ökonomieprofessor & Blogger; Finanzminister)
  • Yanis Varoufakis – thoughts for the post-2008 world
    • Yanis Varoufakis‘ privater Blog, der bis in den November 2010 zurückreicht, und den er auch als Finanzminister weiterzubetreiben beabsichtigt. Hier findet man seine ökonomischen Auffassungen im Detail beschrieben.
  • Varoufakis: Wie wir Griechenlands Schuldenschnitt verhandeln werden – Griechenland-Blog, 20.01.2015
    • „Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis erklärt [kurz vor der Wahl und im Detail], wie der unvermeidliche Schnitt der Verschuldung Griechenlands möglichst effizient und schmerzlos erfolgen kann.“
      • Hier kann jedermann die weitreichenden Vorschläge zu einem Schuldenschnitt („Cut“) inklusive Begründung detailliert nachlesen, die Varoufakis – inzwischen als griechischer Finanzminister – der Eurogruppe und den sonstigen Gläubigern Griechenlands machen will. Exzellente Vorbereitung für Wolfgang Schäuble & Kollegen.
  • A Modest Proposal for Resolving the Eurozone Crisis – Übersichtsseite
    • Dieser in fortschrittlichen Fachkreisen viel beachtete „Maßvolle Vorschlag zur Lösung der Eurokrise“, den Yanis Varoufakis ab dem Jahr 2010 gemeinsam mit dem englischen Ökonomen und früheren Labourabgeordneten Stuart Holland in mehreren aktualisierten Versionen veröffentlichte, dürfte eine wesentliche Grundlage für seine Popularität sein. An der aktuellen, 2013 publizierten Version 4.0 arbeitete auch der renommierte amerikanische Ökonom James K. Galbraith als Drittautor mit.
  • Ausführliches Interview mit Yanis Varoufakis zur Krise der Eurozone von Roger Strassburg und Jens Berger (Nachdenkseiten)   im November 2013 – Teil 1Teil 2 – (englischsprachiges Orginal: Teil 1Teil 2)
Aktuelles:
  • Gianis Varoufakis: Wir brauchen Deutschland – FAZ, 31.01.2015
    • „Griechenlands Finanzminister gibt ein spannendes Fernsehinterview: Europa brauche ein wirtschaftlich starkes Deutschland. Griechenland brauche mehr Reformen. Und auch zur Troika sagt er Überraschendes.“
      • Varoufakis‘ Kommentar zu diesem Interview in seinem Blog: „As a fan of the BBC, I must say I was appalled by the depths of inaccuracy in the reporting underpinning this interview (not to mention the presenter’s considerable rudeness). Still, and despite the cold wind on that balcony, it was fun!“

Kommentare zur Medienberichterstattung
  • Immer voll auf Merkel-Linie – Medienkritische Analyse von Georg Dietz – Spiegel Online, 30.01.2015
    • „Die deutschen Medien unterwerfen sich in der Wirtschafts- und Finanzkrise einer Logik der Macht. Berichten sie über die Krise in Griechenland, nehmen sie die Perspektive der nationalen Politik ein und blenden Teile der Wirklichkeit aus.“

(Wird fortlaufend ergänzt.)

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2 Kommentare

  1. torsten

     /  1. Februar 2015

    Vergleicht man die Situation Griechenlands mit denen der heute erfolgreichen Industrienationen, so fällt auf, dass sie alle durch eine Phase geschützter Entwicklung gegangen sind. Deutschland, aber auch Japan, Südkorea und heute China konnten ihre Industrie in der Aufbauphase vor internationaler Konkurrenz abschotten. Das ermöglicht kleinen, eher mittelständischen Unternehmen (Chemie, Optik, Photo usw.) sich zu entwickeln und ungestört zu wachsen.

    Insbesondere brauchte man keine Angst vor feindlichen Übernahmen, Hedgefonds oder ausländischer Billigkonkurrenz zu haben, denn dafür gab es Zölle, Handelsbeschränkungen und Importverbote. Wenn das nicht half, hatte der Staat die Souveränität über seine Währung, seinen Wechselkurs und seine Geldmenge.

    Und: Eine prosperierende Volkswirtschaft tut dann gut daran, seine Staatsbürger gut auszubilden. Auch das fand in den erfolgreichen Länden statt. So konnten externe Schocks abgefedert werden. Länder wie Deutschland, Japan und Südkorea konnten auf diese Weise nach und nach in die Weltmarktkonkurrenz entlassen werden – oder heute China. Diese Länder machen heute jedes auf seine Weise Ländern wie Griechenland das Leben schwer.

    Griechenland bräuchte daher auch eine Gründungsphase mit geschützten Märkten. Komischerweise ist es kein Problem, Griechenland vom internationalen Kapitalmarkt zu nehmen, aber sehr wohl ein Problem, Beschränkungen bei gerade neu entstehenden Märkten und Dienstleistungen befristet zuzulassen, die nun einmal zu Anfang vor dem eisigen Wind ausländischer Billigkonkurrenz geschützt werden müssen.

    Griechenland müsste zunächst Kapitalverkehrskontrollen einführen, um Kapitalflucht zu verhindern. Sodann müsste die Steuerbasis verbreitert werden und Steuerehrlichkeit rigoros durchgesetzt werden. Es müssten dann Sektoren entwickelt werden, die aufgrund der Standortfaktoren erfolgversprechend sind (in der Landwirtschaft z.B. Selbsterzeugung statt Import von Zitronen und Hollandtomaten, Tourismus, Rohstoffvorkommen, Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, eine eigene Leichtindustrie, usw. usw.), und diese müssten anfangs mit Zöllen geschützt werden, denn jeder weiß, dass die anfängliche Aufbauphase besonders kostenträchtig ist.

    Dazu muss der korrupte und übergroße Beamtenapparat auf den Prüfstand, der keine Gewerbeerlaubnisse erteilt oder sich dafür bestechen lässt. Kurz: Es muss mehr Unternehmergeist im Land geweckt werden.

    Antworten
  2. Markus Wichmann

     /  3. Februar 2015

    Vielen Dank, Torsten, für diesen intelligenten und kenntnisreichen Kommentar zur ökonomischen Situation Griechenlands als Mitglied der Eurogruppe, einen Währungsverbund von Staaten höchst unterschiedlicher wirtschaftlicher Leistungskraft, den es so nie hätte geben sollen.

    Antworten

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