Grimme-Preis für Jan Böhmermann

Es ist einfach zu schön, um nicht auch hier gezeigt zu werden: Jan Böhmermanns Satire über die Stinkefinger-Affäre Varoufakis / Jauch.

Der Unterschied zwischen dem bei Jauch gezeigten Video, über das ganz Deutschland sich aufregt, als hätte Herr Varoufakis Herrn Schäuble seinen gestreckten Mittelfinger direkt vor die Nase gehalten, und dem gleichen Video ohne Finger ist bei nüchterner Betrachtung so bedeutungsvoll wie der Sack Reis, der in China umfällt.

Das klargemacht zu haben ist Böhmermanns Verdienst. Daher: Grimme-Preis!

Außerdem:
  • Günther Jauch sollte entlassen werden – Kommentar von Matthias Knecht – Neue Zürcher Zeitung, 23.03.2015
    • „Der deutsche Showmaster Günther Jauch hat gegen fundamentale journalistische Standards verstossen. Deshalb sollte ihn die ARD vor die Tür setzen.“
    • Fast wäre dem deutschen Showmaster Günther Jauch ein journalistischer Coup gelungen. Im Fernsehsender ARD spielte er ein Video des griechischen Finanzministers Janis Varoufakis ein. Darin zeigt der für seine provokativen Auftritte bekannte Politiker den Deutschen den Stinkefinger, so scheint es. Die Aufnahme von 2013 trifft den Nerv: Hier die disziplinierten deutschen Zahlmeister, dort die faulen Griechen, die ihre Retter auch noch beleidigen. Kein Wunder, schlugen die Bilder in Deutschland wie eine Bombe ein, zumal Varoufakis seit seinem Amtsantritt im Januar seine europäischen Partner oft vor den Kopf stiess. Doch das Video ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Zwar ist es echt (auch wenn eine Satiresendung im ZDF anderes behauptete). Aber Varoufakis’ obszöne Geste reflektiert nicht seine Meinung über Deutschland. Das kann jeder nachvollziehen, der sich im Internet die komplette Aufnahme ansieht. Auch Starjournalist Jauch hätte das tun können und müssen. Sein Beitrag ist darum kein Coup, sondern übelster Kampagnenjournalismus, der das verkorkste Verhältnis zwischen Berlin und Athen zusätzlich belastet. Die ARD sollte darum Jauch vor die Tür setzen, weil er gegen fundamentale journalistische Standards verstossen hat. Nebenbei würde das helfen, die deutsch-griechischen Beziehungen zu verbessern.
  • Es herrscht Krise und Europa redet über Mittelfinger – Gastbeitrag von Srećko Horvat – Süddeutsche Zeitung, 20.03.2015
    • „Srećko Horvat hat Varoufakis damals zum Vortrag auf seinem Festival eingeladen. Der Autor ist Philosoph und war von 2008 bis 2013 Direktor des „Subversive Festivals“ in Zagreb.“ 
    • „Wenn man aus dem Finger-Skandal eine Lektion lernen kann, dann die folgende: Zeichen sind Waffen; jeder Kampf ist auch ein semantischer, das heißt ein Kampf um die Deutungshoheit von Zeichen. Hier gilt die Antwort, die Humpty Dumpty auf Alices Frage „Wie kannst du einem Wort so viele verschiedene Bedeutungen geben?“ lieferte: „Die Frage ist, wer die Macht hat, das ist alles.“ 
    • Der Finanzkapitalismus funktioniert dadurch, dass er die Macht über die Bedeutung hat; er kann durch Spekulationen Ansehen und sogar durch Gerüchte Wert schaffen. Bezogen auf die Krise Europas: Die Frage ist, wer das Sagen hat, das ist alles. Er entscheidet dann auch darüber, was Varoufakis‘ Finger wirklich bedeutet. Die Berichterstattung der letzten Tage hat gezeigt: Sobald der Finger da war, war es unwichtig, dass das Ganze 2013 passiert war, und zwar in einem ganz anderen Zusammenhang.
  • Video und Wahrheit – Exzellenter Kommentar von Philipp Loser – Tages-Anzeiger (Zürich), 19.03.2015
    • „Die doppelte Fälschung des deutschen Satirikers Jan Böhmermann mit dem Stinkefinger von Giannis Varoufakis war brillant. Sie offenbart unsere Überforderung mit der Welt.“
    • „Dass «Bild» die Griechen Tag für Tag verhöhnt, ist noch irgendwie nachvollziehbar: Es ist die «Bild», es ist Boulevard, es ist schmierig und gemein. Wenn aber ein Moderator wie Günther Jauch auf einem öffentlich-rechtlichen Sender eine hochkomplexe Debatte auf einen Mittelfinger reduziert, ist das ein tragischer Beweis, wie weit die De­ge­ne­ra­ti­on der Medienöffentlichkeit schon fortgeschritten ist. – Jauch ist ein Symbol für unsere Überforderung. Die Krise in Griechenland ist vielschichtig und unübersichtlich. Es geht um Schuld, um Abhängigkeiten, um alte Verflechtungen, um Schicksale, um ein Land am Abgrund. Doch statt sich ernsthaft mit den Ursachen dieser Krise und mit möglichen Lösungen zu beschäftigen, zielen auch Qualitätsjournalisten in diesen Tagen auf den einfachsten Reflex: die Empörung. Kein Nachdenken erforderlich, Quote garantiert.“
  • Chapeau vor Böhmermann und dem Stinkefinger – Markus Beckedahl („Welt im Netz“) – N24, 19.03.2015
    • „Die Vermittlung von Medienkompetenz ist oft träge und langweilig, aber notwendig. Dass es auch anders geht, zeigt gerade Jan Böhmermann mit seinem Janis-Varoufakis-Fake-Fake.“
    • „Der Stinkefinger ist echt, aber vollkommen aus dem Kontext gerissen. Durch die Inszenierung hacken die Macher des „Neo Magazin Royale“ grandios die Debatte, indem sie mit dem Entstehen von Verschwörungstheorien und journalistischer Berichterstattung spielen, die die Ereignisse aus dem Kontext reißt, um ihre Argumentation zu unterfüttern. Dabei appelliert das „Neo“-Team mittels Medienkritik wiederum an die Medienkompetenz der Zuschauer, nicht alles zu glauben, was man denkt zu sehen. Und alles zu hinterfragen. – Diese zehn Minuten Fernsehbeitrag waren seit langem das Beste und Subversivste, was ich im ZDF mitbekommen habe. Ein Moment, der einer ganzen Mediendebatte grandios den Spiegel vorhält und einen Kontrapunkt setzt. Dabei Fernsehen und Netz vermischt. Und zum Nachdenken und Reflektieren einlädt, ob wir alles glauben sollen, was wir glauben zu sehen.
  • Böhmermann zeigt Erregungsdeutschland den Stinkefinger – Kommentar von Stefan Plöchinger – Süddeutsche Zeitung, 19.03.2015
    • „…ein beispielloser Satire-Coup – der tiefere Wahrheiten über das gern erregte Deutschland offenbart. Die griechische Krise ist komplex, für viele unverständlich; wie erleichternd ist da eine Ablenkdebatte über einen Stinkefinger, weil wir dem griechischen Minister nicht mal mehr zuhören müssen, wenn er mit uns in einer Talkshow redet – so funktioniert die öffentliche Aufregungsmechanik, die bis in die Politik hinein reicht.“
  • Das war kein Gag, das war ein Crashkurs in Politik – Herrlicher, kluger Kommentar von Andreas Rosenfelder, Feuilletonchef der „Welt“ – Welt, 19.03.2015
    • „Eine Woche lang redete Deutschland nur über den Mittelfinger von Yanis Varoufakis. Jetzt reden plötzlich alle über Jan Böhmermann. Ein Lehrstück in politischer Philosophie.“
    • In einer Demokratie gehört es zum Tagesgeschäft, über Bedeutungen zu streiten. Was wollte Varoufakis mit seiner obszönen Geste sagen? Ist sie berechtigt? Was bedeutet die Empörung darüber? Ist sie legitim? Das ist der Stoff, aus dem man Talkshows macht und Leitartikel, im Zweifel auch Bundestagsreden und Parteiprogramme. Alles ist anzweifelbar, über alles kann geredet werden – aber nur, solange man mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen steht, der sogenannten Faktenbasis. Die ist nicht verhandelbar, sie muss von allen akzeptiert und geteilt werden. Deshalb bricht in aufgeklärten Gesellschaften sofort Panik aus, wenn es größere Löcher in der Wirklichkeit gibt, die sich nicht stopfen lassen, wenn Flugzeuge verschwinden, Dienstlaptops geklaut werden oder unmarkierte Truppen aus dem Nichts auftauchen. Dann setzt man Untersuchungskommissionen ein oder schickt Sonderermittler los. Dass Zeichen mehrdeutig sind und formbar, gehört zum Grundwissen der Zivilgesellschaft. Die Sachen selbst aber, so glauben wir zumindest, sind nur in totalitären Gesellschaften Knetmasse. (…) Für ein paar Stunden war Jan Böhmermann kein Fernseh-Comedian, sondern ein Mann, der über Sein und Nichtsein entschied, der seine Hand verbotenerweise am ontologischen Grundschalter hatte. (…) Dieser Eingriff in die Realität hat allen den Kopf verdreht, vor allem aber jenen, die bisher dachten, Tatsache sei das, was bei Jauch als Einspieler läuft oder in der Zeitung steht. Mit dieser Definition kommt man im Internetzeitalter nicht mehr weit, (…) Die Fähigkeit, sich vom Zwang des Gegebenen zu befreien, ist das Wesen aller Politik. Jan Böhmermann hat gar nicht die Bank gesprengt. Er hat nur einen viralen Volkshochschulkurs gegeben.

Geheuchelte Empörung im Abhörskandal?

Wenn es stimmt, was Elmar Theveßen, stellvertretender Chefredakteur des ZDF und Geheimdienstexperte,  gestern abend im ZDF-heute journal höchst plausibel darlegte, so wäre dem Abhörskandal ein weiteres Kapitel hinzufügen, das geeignet wäre, unsere Politiker in hohem Maße zu desavouieren und bloßzustellen.

Theveßen behauptet, die gegenwärtigen empörten Reaktionen der Politiker seien pure Heuchelei – die nachrichtendienstlichen Abhörpraktiken seien seit vielen Jahren bekannt.

„Macht uns doch nichts vor! Politiker aller Parteien wussten längst Bescheid. (…) Deutsche Politiker quer durch die Parteien spielen hier offenbar ‚mein Name ist Hase, ich weiß von nichts‘.“

In einem offenen Brief an Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hatte der ZDF-Experte sich bereits am 22. Juni verwundert über die Entrüstung der Ministerin über das umfassende Ausspähprogramm von britischen und amerikanischen Geheimdiensten gezeigt und festgestellt,

„Sie – und eigentlich alle Politiker, die sich qua Amt in Sicherheitsfragen auskennen – wissen doch längst über das alles Bescheid.“

Entsprechende Informationen seien unter anderem bereits im Frühjahr 1998 in einem offiziellen Bericht an das EU-Parlament enthalten gewesen, in dem es hieß:

„Innerhalb Europas werden alle E-Mail-, Telefon- und Fax-Kommunikationen routinemäßig von der NSA abgefangen. Sie transferiert alle Zielinformationen über den wichtigen Knotenpunkt Menwith Hill in den Sümpfen von Nord Yorkshire im Vereinigten Königreich nach Fort Meade in Maryland“ (dem Hauptquartier der NSA in den USA).

Wenige Monate später, im Oktober 1998, habe das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg eine Warnung an deutsche Wirtschaftsunternehmen versandt:

Echelon (das damalige Abhörprogramm) hört ungefiltert den gesamten E-Mail-, Telefon-, Fax- und Telexverkehr ab, der weltweit über Satelliten weitergeleitet wird“.

Theveßen in seinem offenen Brief weiter:

„Sie, sehr geehrte Frau Leutheusser-Schnarrenberger, (…) wundern sich, wie andere deutsche Politiker, über etwas, was sie seit langem wissen mussten? Die amerikanische NSA, das britische GCHQ und ihre Partner haben in den verstrichenen 15 Jahren nur ihre Kapazitäten ausgebaut, neue Speicherserver angeschafft, Anzapfmethoden verfeinert – das Einklinken in Unterseekabel gibt es schon seit 1921 – und die Auswertungssoftware perfektioniert, z.B. PRISM. Ansonsten machen sie eigentlich das Gleiche wie immer. Allerdings haben Politiker die rechtlichen Rahmenbedingungen erleichtert und die Kontrollmechanismen abgeschliffen.

Ach, und schließlich, sehr geehrte Frau Bundesjustizministerin, noch die Frage: Was für Daten sammeln eigentlich französische, spanische und deutsche Geheimdienste in ihrem gemeinsamen Satellitenzentrum in Torrejon, Spanien?“

Wenn es stimmt, dass die allenthalben geäußerte Entrüstung über die bislang angeblich unbekannten Abhörpraktiken der Geheimdienste nur vorgetäuscht ist, dann werden wir nicht nur von „befreundeten“ Staaten an der Nase herumgeführt, sondern auch von unseren eigenen Politikern.

Es wäre in diesem historischen Skandal das Tüpfelchen auf dem I. Der Bürger könnte sich nur angewidert abwenden.

(Besser wäre natürlich, wir würden uns auf den Tahirplätzen unseres Landes versammeln und dort unsere Empörung zeigen. Aber anders als beim Stuttgarter Bahnhof wird die Bedrohung in diesem Fall nur abstrakt und distanziert erlebt. Die 68er sind auf dem Weg in die Rente, und das Wutbürgerpotential der Deutschen im allgemeinen ist höchst überschaubar.)

Siehe auch:
  • Orwell 2.0 – Die totale Überwachung ist längst Realität – Ausführliche Darstellung der Geschichte nachrichtendienstlicher Überwachungs- und Abhörpraktiken vom Ende des 2. Weltkriegs bis heute (Echelon, Prism etc.) von Jens Berger  – Nachdenkseiten, 02.07.2013
    • „Das jüngst bekannt gewordene Internetüberwachungsprogramm Prism ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs wird die internationale Kommunikation systematisch von spezialisierten Geheimdiensten abgehört. Mit dem technischen Fortschritt wuchs auch das Ausmaß der Überwachung rasant an. Heute betreibt wohl jedes bedeutende Land ein eigenes Abhörprogramm, gegen das die Stasi wie ein graues Relikt aus der Vorzeit wirkt. Die USA sind in Sachen Überwachung jedoch eine Klasse für sich. Der Staat, der stets so tut, als habe er ein Patent auf den Begriff „Freiheit“, hat heute ein digitales Überwachungssystem, das jeder orwellschen Totalitarismusphantasie Ehre macht. Wer glaubt, es ginge dabei nur um die „Terrorismusbekämpfung“, beleidigt dabei die Geschichte durch einen Mangel an Phantasie.“
  • Lizenz zum Abhören – Ist das der Preis der Freiheit?Maybritt Illner – Sendung vom 04.07.2013
    • „Ist aus dem großen Bruder USA inzwischen der böse Bruder geworden? Wie zerrüttet ist das deutsch-amerikanische Verhältnis? Wie geheim die Geheimdienstarbeit? Müssen wir uns zwischen Sicherheit und Freiheit entscheiden? Oder geht es am Ende nicht um Terrorabwehr, sondern um Wirtschaftsspionage?“

Der Snowden-Coup – die ganze Tragweite in Kurzform

Edward SnowdenEdward Snowden hat die Welt über die Abgründe der bislang unvorstellbaren Ausspähungspraktiken der Geheimdienste aufgeklärt. Dafür gebührt ihm der alternative Nobelpreis. Fassungslos macht einen indes nicht nur das Orwellsche Szenario, in dem wir alle inzwischen leben, sondern auch die abgrundtiefe Dummheit der Geheimdienstorganisatoren, zu glauben, man könnte diese menschenrechtsverachtenden Praktiken angesichts von mehr als 850.000 (nach anderen Quellen 1,4 Millionen) Mitarbeitern von NSA und Co. geheimhalten, die Zugang zur Geheimhaltungsstufe Top Secret haben (nach amerikanischen Medienberichten ein Drittel davon Mitarbeiter von Privatunternehmen).

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte gestern einen kurzen Kommentar ihres stellvertretenden Ressortleiters Außenpolitik, Hubert Wetzel, der die ganze Tragweite der Affäre  in wenigen Sätzen aufzeigt. Leider steht er (noch) nicht im Netz. Angesichts der Bedeutung der Angelegenheit – hier ist er (Honi soit qui mal y pense):

„Zahnfee in Moskau

Zählen wir eins und eins zusammen: Edward Snowden hatte früher Zugang zu sehr viel höchst geheimem Material, nach eigenen Angaben zum Beispiel zu den Listen sämtlicher NSA-Mitarbeiter und CIA-Agenten. Plus: Snowden sitzt derzeit mit vier Laptops in Moskau. Was auf den Computern gespeichert ist, weiß nur er. Doch wer glaubt, der russische Geheimdienst versuche nicht alles, um an das brisante Material – und alles, was Snowden sonst weiß – heranzukommen, der glaubt auch an die Zahnfee.

Ergebnis: Die Wut, ja Panik, mit der die amerikanische Regierung auf Snowdens Enthüllungen reagiert, könnte Gründe haben, die weit über die Blamage hinausgehen, die er der Weltmacht zugefügt hat. Natürlich muss Washington annehmen, dass die Russen (wie vielleicht schon in Hongkong die Chinesen)
Snowden aushorchen und seine Festplatten kopieren. Aus welchen Motiven der junge Systemadministrator gehandelt hat, ist für die US-Regierung dann
zweitrangig. Mag sein, dass Snowden zu Beginn nur staatliche Schnüffelei anprangern wollte. Am Ende könnte er für einen massiven Geheimnisverrat
verantwortlich sein. Für einige US-Agenten im Ausland könnte das unerfreuliche Folgen haben. Für die US-Geheimdienste wäre es eine gigantische Katastrophe.

Für die USA zählt nur eins: Sie müssen verhindern, dass aus dem Aufklärer Snowden ein Überläufer und Verräter wird. Eine Hetzjagd ist dafür das falsche
Mittel.“

Irgendwas stimmt da ganz grundsätzlich nicht bei den 20 plus x amerikanischen Nachrichtendiensten. Mal ein Rechenexempel:

Gesucht wird überschlägig die Anzahl der US-Geheimnisträger der Stufe Top Secret, die nicht als Whistleblower in Erscheinung treten wie der ehrbare Snowden, sondern – das soll’s geben – ihr Wissen in klingende Münze umsetzen.

Gehen wir mal von insgesamt einer Million Geheimnisträgern aus und halten nur ein Promille (!) davon, also jeden Tausendsten, in Sachen Geheimnisverrat für korruptionsanfällig (nach Erhebungen von Transparency International dürfte es tatsächlich ein Vielfaches sein). Wir kämen dann auf 1000 potenzielle Geheimnis- und Landesverräter, bei denen dies nur eine Frage des Preises ist. Von denen sieht und hört man natürlich nichts.

Und übrigens: Wer glaubt, es gehe bei alledem nicht auch um Wirtschaftsspionage, der glaubt nicht nur an die Zahnfee, sondern auch an den Weihnachtsmann.

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Wie geht’s dem WulffPlag-Wiki?

Schlecht. Er besteht jetzt seit knapp drei Wochen, hatte sich zunächst ganz ordentlich entwickelt, scheint nun aber von internen Auseinandersetzungen dominiert zu sein.

Von den anfänglich vier Admins ist lediglich noch einer aktiv – der Gründer selbst. Zwei Admins haben ihre Mitarbeit offenbar eingestellt, dem dritten wurden vom Gründer die Rechte entzogen. Hintergrund scheinen Differenzen über die Einhaltung der selbstverordneten inhaltlichen Neutralität zu sein.

Quo vadis, Crowd?

Insbesondere gibt es Streit zwischen dem Wiki-Gründer und dem abberufenen Admin über einen ehemals von diesem betreuten Artikel über die Medienberichterstattung in der Affäre Wulff. In diesem Artikel waren zahlreiche Beispiele medienkritischer Kommentare zur Wulff-Berichterstattung von Seiten der Medien selbst gesammelt worden, wurden referiert bzw. Kernsätze daraus zitiert. Dies gefiehl dem Gründer nicht, daher ersetzte er den Artikel kurzerhand durch eine von ihm erstellte Kurzform. Zudem löschte er Diskussionsseiten, die Kritik an seinem Vorgehen enthielten.

Machtmissbrauch im Wiki

„Versachlichung durch kollektive Intelligenz“ – das war die Hoffnung, die sich mit diesem Internetprojekt nach dem Vorbild des GuttenPlag-Wiki verband. Es scheint, als hätte sich in diesem Fall eher kollektive Unintelligenz durchgesetzt. Bei der Umsetzung des Projekts wurden offenbar grundlegende „Hygiene-Regeln“ einer gedeihlichen Zusammenarbeit der Teilnehmer nicht beachtet – das Vorgehen untereinander abzustimmen, bei Unstimmigkeiten Meinungsbilder herbeizuführen, fertige Texte nicht eigenmächtig umfangreich zu ändern oder zu löschen.

Essentielle Wikiquette

Bei gemeinschaftlichen Wiki-Projekten ist es essentiell, den Mitarbeitern faire, demokratische Bedingungen zu garantieren, sonst gibt es rasch böses Blut. Man sollte stets berücksichtigen, dass die Möglichkeit einer informellen Klärung von Streitfragen im persönlichen Gespräch nicht oder allenfalls eingeschränkt (Chat) gegeben ist, und dass Differenzen unter diesem Umständen dazu tendieren, sich rasch auszuweiten und zu verschärfen. Wikipedia hat ein umfangreiches Regelwerk für den Umgang der Teilnehmer miteinander entwickelt, auch im Konfliktfall, in das jahrelange Erfahrungen eingeflossen sind. Es ist neuen Wiki-Projekten wie dem WulffPlag-Wiki unbedingt zu empfehlen, sich daran zu orientieren. Andernfalls ist die Gefahr groß, dass bald nicht kollektive Intelligenz, sondern Zank und Streit das Geschehen dominieren.

Der WulffPlag – Versachlichung durch kollektive Intelligenz?

Zur Versachlichung der Debatte um Bundespräsident Christian Wulff dürfte das Wiki-Projekt WulffPlag beitragen, das soeben gegründet wurde (offenbar am 10.01.2012). Bisher gibt es ca. 40 Benutzer, die mit Hilfe eines MediaWiki-Wikis Licht in die unübersichtliche Fakten- und Diskussionslage bringen wollen. Die Zahl der Mitwirkenden wird in den nächsten Tagen vermutlich sprunghaft ansteigen. Deren kollektive Intelligenz sollte – ähnlich wie im Fall des bereits legendären, mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten GuttenPlag-Wiki – eine nüchterne, sachorientierte Aufklärung der Vorwürfe gegen Christian Wulff ermöglichen.

Wichtig ist, dass das Projekt um ein rationales, vorurteilsfreies und möglichst objektives Herangehen bemüht ist, eine entsprechende Kultur entwickelt und insofern ein Gegengewicht zum Skandalisierungsvorgehen der Boulevardpresse bildet. Im Interesse dieses Ziels sollten jegliche Skandalisierungs- und Emotionalisierungstendenzen vermieden werden.

Vorbild „Justitia“

In diesem Zusammenhang sei die symbolträchtige Ikonographie der Justitia im Mittelalter und in der Neuzeit in Erinnerung gerufen und der betreffende Wikipedia-Text zitiert:

„Im Mittelalter und in der Neuzeit ist das Bild der Justitia ein vollkommen anderes als im römischen Altertum: nun wird Justitia meist als Jungfrau dargestellt, die in der linken Hand eine Waage, in der Rechten das Richtschwert hält. Dies soll verdeutlichen, dass das Recht ohne Ansehen der Person (Augenbinde), nach sorgfältiger Abwägung der Sachlage (Waage) gesprochen und schließlich mit der nötigen Härte (Richtschwert) durchgesetzt wird.

Seit Ende des 15. Jahrhunderts wird die Justitia aus Spott über die Blindheit der Justiz zuweilen mit einer Augenbinde dargestellt; um 1520 wandelt sich die Interpretation der Binde: sie wird nunmehr als Symbol für die Unparteilichkeit, also das Richten ohne Ansehen der Person gesehen, und wird zum stehenden Attribut der Justitia.

Die Waage der neuzeitlichen Justitia ist die Waage des Richters, mit deren Hilfe Für und Wider gegeneinander abgewogen wird, und deren Rolle letztlich der Rolle der Waage im ägyptischen Totengericht entspricht; entsprechend dem Grundsatz In dubio pro reo („im Zweifel für den Angeklagten“) steht der Waagbalken – anders als in römischen Darstellungen – oft schräg. In älteren Darstellungen trägt die Göttin des Rechtsfriedens anstatt des Schwertes einen Ölzweig als Symbol des Friedens.

Causa Wulff: Kesseltreiben und/oder präsidiales Versagen? – Interessante Stellungnahmen

  • Dossier „Bundespräsident Wulff: Sein Credo ist Ehrlichkeit“Cicero – Magazin für Politische Kultur
    • „Mit dem Leitspruch „Ehrlich, mutig, klar“ stieg er auf, jetzt droht er an seinen eigenen Maßstäben zu fallen: Bundespräsident Christian Wulff, der Privatkredit und seine Unternehmerfreunde“
  • Kommunikationsberater: „Kai Diekmann spielt Gott“W&V, 05.01.2012
    • „‚Kai Diekmann spielt Gott.‘ Diesen Vorwurf macht Kommunikationsberater Hasso Mansfeld dem Bild-Chefredakteur im Umgang mit der Affäre Christian Wulff. Diekmann wolle mit der ‚Kampagne gegen Wulff‚ der Republik beweisen, dass man Politik ohne Bild nicht betreiben könne. ‚Medien sind die vierte Macht im Staat und haben damit eine sehr wichtige Aufgabe. Sie sollen aber nicht selbst Politik machen – wie es Kai Diekmann mit der Bild gerade macht‘, kritisiert Mansfeld.“

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Kommentar MW:  Er macht Politik mittels einer gezielt inszenierten Skandalisierungskampagne der Affäre Wulff.

Skandalisierung bedeutet immer gezieltes Schüren von Empörung („Aufhetzen“) durch

  • emotionalisierte und dramatisierende Berichterstattung,
  • selektive, verkürzende und verzerrende Darstellung von Sachverhalten und Fakten,
  • Vorenthalten vollständiger Informationen (Halbwahrheiten),
  • Aufbauschen und Überspitzen von Negativaspekten,
  • Polemisierung und Entrüstungsrhetorik,
  • jeglichen Verzicht auf eine faire, ausgewogene oder gar wohlwollende Betrachtung
  • sowie auf Beachtung des Verhältnismäßigkeitsaspekts bei den vorgenommenen Bewertungen.

Stattdessen…

  • die genüssliche Verwendung von Häme, Spott, Schadenfreude
  • und zahlreicher weiterer Spielarten von Entwertung der skandalisierten Person, ihrer Eigenschaften und Handlungen.

Kurzum:

  • Gerechtfertigt scheinbar durch ein Fehlverhalten der skandalisierten Person wird ein höchst boshafter kommunikativer Prozess in Gang gesetzt mit dem Ziel, der Person Schaden zuzufügen bzw. sie zu Fall zu bringen, und gleichzeitig die Aggressionslust des Massenpublikums zu bedienen, das für Derartiges nur allzu empfänglich ist.
  • Auf der Strecke bleiben unsere besseren Eigenschaften: Sachlichkeit; Fairness; Fehlerfreundlichkeit; der Grundsatz „in dubio pro reo“; Ausgewogenheit, Wohlwollen, eventuell Milde im Urteil.

Fazit: Skandalisierung im beschriebenen Sinn bedeutet Kulturverlust und Primitivierung. Sie lässt Niedertracht gerechtfertigt erscheinen und macht sie auf diese Weise salonfähig.

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Causa Wulff: Kesseltreiben und/oder präsidiales Versagen? – Basics

Skandal (aus: Wikipedia)

Ein Skandal bezeichnet ein Aufsehen erregendes Ärgernis und die damit zusammenhängenden Ereignisse oder Verhaltensweisen. Das Wort ist im Deutschen seit dem Ende des 16. Jahrhunderts belegt. Es wurde aus dem gleichbedeutenden französischen scandale entlehnt, das auf das kirchenlateinische scandalum zurückgeht, dieses wiederum auf das griechische skandalon „Fallstrick, Anstoß, Ärgernis“.[1] Das abgeleitete Adjektiv skandalös mit der Bedeutung „ärgerniserregend, anstößig“ sowie „unerhört, unglaublich“ findet sich seit Anfang des 18. Jahrhunderts.[2]

Skandal wird häufig synonym zum Begriff Affäre verwendet. Affäre bezeichnet – neben der Liebesaffäre – heute vor allem als skandalös beurteilte Angelegenheit in Politik und Wirtschaft.[3] Der Begriff des Skandals kann demgegenüber ein breiteres Spektrum der öffentlichen Wahrnehmung ansprechen, beispielsweise auch einen Skandal innerhalb der Kunst.

Skandal und Gesellschaft 

Bei einem Skandal handelt es sich um eine (allgemeine) Entrüstung oder Empörung im Sinne eines moralischen Gefühls. Zu wissen, worüber sich eine Gesellschaft empört, lässt ablesen, wo und wie die überschrittenen Grenzen liegen. Insofern lassen sich über Skandale Rückschlüsse auf die jeweiligen Norm- und Wertvorstellungen bzw. Konventionen einer Gesellschaft ziehen.

Ein Vorgang, der in einem bestimmten Region oder einer bestimmten Gesellschaft einen Skandal hervorruft, muss dies nicht zwangsläufig auch in einer anderen bewirken. Was früher einen Skandal hervorgerufen hat, muss heute nicht wieder zu einem führen. Ein häufig genanntes Beispiel in diesem Zusammenhang ist der damalige „Skandal“ um den Film Die Sünderin in der Bundesrepublik Deutschland der frühen 1950er-Jahre. Die beiden schwedischen Skandalfilme Das Schweigen und 491 riefen in den 1960er die „Aktion Saubere Leinwand“ auf den Plan und erlangten so kulturhistorische Bedeutung.

Skandal und Medien 

In der Regel bedingt ein Skandal eine allgemeine gesellschaftliche Aufmerksamkeit, die heute überwiegend durch die Massenmedien erreicht wird. Bei der Aufdeckung von Skandalen und Vorgängen wie Korruption, Bestechung und persönlicher Vorteilsnahme von Amtsträgern in Politik und Wirtschaft spielen Medien und Journalismus, insbesondere als Investigativer Journalismus, eine bedeutende Rolle. Nicht zuletzt hieraus leitet sich die Rolle von Medien und Presse als Korrektiv und sogenannte „Vierte Gewalt“ ab.[4]

Da Medien und Presse auch an hohen Zuschauer-, Hörer- und Leserzahlen interessiert sind, kann es dazu kommen, dass einzelne Vorgänge über ihre Bedeutung hinaus „skandalisiert“ werden. Wo die Grenze zwischen „legitimer Empörung“ und „künstlicher Aufgeregtheit“ liegt, ist vom Betrachter und dessen sozialen, religiösen und politischen Hintergrund abhängig.

Skandalisierung geht oft einher mit Kommerzialisierung, Boulevardisierung bzw. Entertainisierung von Medieninhalten (siehe auch „Popkultur„).

Ablauf 

Medienskandale beruhen auf einem tatsächlichen oder vermuteten Missstand. Sie verlaufen meist ähnlich:

  • In der Latenzphase wird ein Missstand bekannt; die Anzahl der Medienberichte zum Thema nimmt schlagartig zu. Die Protagonisten des Skandals werden vorgestellt. Die Phase endet mit einem
  • Schlüsselereignis. Dieses führt dazu, dass der Konflikt zu einem Skandal eskaliert. In der darauf folgenden Aufschwungphase werden weitere Fakten bekannt, die in eine Verbindung zum ersten Missstand gesetzt werden. Ist diese Ausweitung geglückt, beginnt die
  • Etablierungsphase. In dieser Phase erreicht der Skandal den Höhepunkt. Nun wird über die Schuld oder Unschuld der Protagonisten gerichtet; Konsequenzen werden gefordert. Zu Beginn der Abschwungphase knickt die skandalierte Person oder Organisation unter dem öffentlichen Druck ein und zieht Konsequenzen aus den Vorkommnissen (z.B. Rücktritt)
  • In der medialen Wahrnehmung ist der Konflikt damit gelöst. Die Intensität der Berichterstattung nimmt schnell ab.
  • In der Rehabilitationsphase wird die Ordnung des Gesellschaftssystems wieder hergestellt. Die Medien berichten nur noch vereinzelt. Mit den fünf Phasen entspricht der Aufbau eines Medienskandals weitgehend demjenigen eines antiken Dramas.[5]

Literatur

  • Jens Bergmann/Bernhard Pörksen (Hg.),“Skandal! – Die Macht öffentlicher Empörung„, Köln: Halem Verlag 2009
  • Frank Bösch: Öffentliche Geheimnisse. Skandale, Politik und Medien in Deutschland und Großbritannien 1880-1914, München: Oldenbourg 2009.
  • Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hg.), Skandale in Deutschland nach 1945, Bielefeld 2007.
  • Steffen Burkhardt, Medienskandale. Zur moralischen Sprengkraft öffentlicher Diskurse, Köln 2006.
  • Rolf Ebbighausen/Sighard Neckel (Hg.), Anatomie des politischen Skandals, Frankfurt a.M. 1989.
  • Stefan Volk: Skandalfilme – Cineastische Aufreger gestern und heute, Marburg: Schüren Verlag 2011.
  • Marc Polednik und Karin Rieppel: Gefallene Sterne – Aufstieg und Absturz in der Medienwelt, Klett-Cotta, Stuttgart 2011

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Krisenherd Iran: eine Recherche

Ganz offensichtlich spitzt sich der Konflikt zwischen Israel und den westlich orientierten Staaten einerseits und dem nach Atomwaffen strebenden Iran andererseits zu. Auslöser der gegenwärtigen Eskalation war der offizielle Lagebericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vom 08.11.2011 zur Frage, ob der Iran an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitet, und wie weit er damit ggf. inzwischen vorangekommen ist. In dem Report werden zahlreiche Hinweise aufgeführt, nach denen Teheran zumindest bis 2010 versuchte, Nuklearwaffen zu entwickeln. Dies würde eine Verletzung des Vertrags zur Nichtverbreitung von Kernwaffen bedeuten. 10 Tage später verabschiedete der Board of Govorners der IAEA  eine Resolution, mit der die iranische Regierung aufgefordert wird, alle offenen Fragen zu seinem Atomprogramm „unverzüglich und vollständig“ aufzuklären.

Im März 2012 soll dem Board of Governors der IAEA erneut berichtet werden, wie weit man mit der Umsetzung dieser Resolution gekommen ist, ob der Iran also kooperiert und den erforderlichen Kontrollen durch IAEA-Inspekteure zustimmt oder nicht. Dies dürfte dann das nächste entscheidende Datum auf einem Weg sein, der im schlimmsten, aber nicht unrealistischen Fall zu einem sehr ernsthaften, den Weltfrieden bedrohenden Konflikt führen kann.

Da Israel jedoch nur noch ein Zeitfenster von etwa einem halben bis einem Jahr sieht, um zu verhindern, dass der Iran über Atomwaffen verfügt, begann Mitte November von dieser Seite ein gewaltiges Säbelrasseln. Wie schon bei früheren Gelegenheiten drohte Israel, die iranischen Atomanlagen – notfalls im Alleingang – mittels Bomben und Raketen zu zerstören, was einen Krieg im Nahen Osten mit unabsehbaren Folgen bedeuten würde. Selbstverständlich fürchtet der Westen dieses Szenario und verschärfte stattdessen seine Sanktionen gegen den Iran. Die Folge war die gewaltsame Erstürmung der britischen Botschaft in Teheran durch regierungstreue, besser regierungsgesteuerte iranische Demonstranten vor einigen Tagen. Daraufhin gab es einen engen Schulterschluss der EU-Staaten und anderer westlicher Staaten mit Großbritannien und abermals verschärfte Sanktionen.

Da ich die Lage im Iran bisher nur oberflächlich verfolgt habe, fragte ich mich, wie ich mich relativ rasch tiefergehend über den Konflikt informieren kann. Mir war daran gelegen, nicht nur journalistisch aufbereitete Presseartikel zu finden, z.B. via Google News oder auf den einschlägigen Themenseiten von Spiegel, Zeit etc., sondern auch Studien, Analysen und Kommentare von Experten.

In diesem Artikel las ich von einem Iran-Experten bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP – finanziert vom Bundeskanzleramt), Walter Posch. Auf dessen Webseite fanden sich einige Artikel, die mir interessant und und auch aktuell genug schienen (s.u.). Auf der SWP-Webseite entdeckte ich zudem den Link zu IREON – einem Fachportal für Internationale Beziehungen und Länderkunde („Ihr zentraler Rechercheeinstieg für wissenschaftliche Literatur“) mit einer Suchfunktion in mehreren einschlägigen Datenbanken. Dort gab ich „Iran“ ein, Erscheinungsjahr „2011“ und aktivierte das Kästchen „Suche nur nach Volltexten“. Das Ergebnis waren 82 Treffer. Einige davon sind unten aufgeführt und verlinkt.

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Denkanstöße aus dem Netz (1)

Presseschau des Handelsblatt-Newsletters „Finance Today“:

Endspiel um den Euro

Vorbei die Zeit, in der Detail-Fragen wie die nach der Zukunft Griechenlands im Fokus standen. Notenbanker und Regulierer u.a. in Großbritannien und der Schweiz fordern die Geldhäuser auf, sich auf den schlimmsten Fall vorzubereiten (» HB » Cash ). Auch immer mehr Leitartikler gehen ins Grundsätzliche. Panik an den Finanzmärkten, schlechte Wirtschaftswachstumsaussichten und sture, waghalsige Politik der EU-Verantwortlichen brächten den Euro immer näher an den Abgrund, meint der » Economist. » Bloomberg erwartet Bank Runs und Kapitalflucht in großem Ausmaße. „Eine Tragödie erwartet uns.“ Die britische » Financial Times denkt das „Undenkbare“ und erwägt eine geordnete Zerschlagung der Euro-Zone. Auch andere Währungsräume seien aufgelöst worden, ohne dass der Himmel herabgefallen sei. Das Ringen um den Euro sei in ein finales Stadium eingetreten, schreibt die » Süddeutsche Zeitung – und plädiert für den von Angela Merkel favorisierten Ausweg, erst zu sparen und dann zu retten. Auch die » Börsen-Zeitung gibt Berlin Rückendeckung. Je schneller die von Merkel geforderten Strukturreformen der EU angegangen würden, umso eher werde die europäische Schuldenkrise überwunden sein. Die » Zeit hofft darauf, dass Europas „historisch beispiellose Kultur der Solidarität“ bestehen bleibt. „Der Euro muss überleben“, mahnt der US-Ökonom Robert Shiller im » Handelsblatt Und hofft auf eine Rettung durch die EZB. In der » Frankfurter Rundschau wiederholt Nobelpreisträger Paul Krugman seinen Appell an die EZB, den „Teufelskreis des finanziellen Kollapses“ zu durchbrechen.

Welche Rolle spielt Deutschland in Europa?

Im deutschen Klammergriff sieht » Challenges aus Frankreich mittlerweile die Eurozone und die EU: „Europa scheint nur noch nach deutschem Takt zu leben, das Land ist isoliert und allein, die Deutschlandphobie in der EU nimmt zu.“ Zuletzt habe sich der britische Premier David Cameron als Unzufriedener geoutet, in Griechenland sei man noch heute wütend auf die ewige Hinhaltetaktik der Deutschen. Die Troika-Vertreter wagten sich nicht mehr ohne Wachpersonal auf die Straßen Athens, überall seien Fotomontagen mit Angela Merkel in Naziuniform zu sehen. Frankreich hänge dagegen immer noch an ihrem Zipfel, in der Hoffnung, weiter zur Spitze Europas gehören zu dürfen. „Arrogant und dominierend“ wirke Merkel. Ihr Land sei tatsächlich erfolgreich, doch sie kalt: „Wenn alle EU-Staaten das deutsche Modell anwenden, würde das Wirtschaftswachstum in der Summe sinken.“ Und die deutsche Stabilitätsmanie gefährde auch die EZB: „Wenn diese angeschlagenen EU-Staaten nicht helfen darf, haben diese keine Zeit, um notwendige Reformen umzusetzen und werden von den Kosten zur Finanzierung ihrer Schulden aufgefressen.“

Eurokrise:

  • „It’s time to think what hitherto markets have regarded as unthinkable – that the euro really is on its last legs.“

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Dokumentation der Debatte zur Eurokrise

Der richtige Weg zur Bewältigung der Eurokrise bzw. Europäischen Staatsschuldenkrise wird derzeit intensiv und sehr kontrovers öffentlich diskutiert. Angesichts der immensen wirtschaftlichen und politischen Bedeutung der zugrunde liegenden Problemlage stößt diese Debatte auch bei Nichtfachleuten auf breites Interesse. Um jedoch die wesentlichen Argumentationen mitvollziehen zu können, sind beträchtliche Kenntnisse makroökonomischer Zusammenhänge erforderlich. Der interessierte Bürger wird in dieser Situation kaum zu volkswirtschaftlicher Fachliteratur greifen, sondern versuchen, sich diese Kenntnisse im Zuge seiner Medienrezeption gleichsam en passent anzueignen.

Das Internet bietet grundsätzlich hervorragende Möglichkeiten, diesen Prozess zu unterstützen.  So  stellen z.B. zahlreiche Presseorgane ihre Berichterstattung auf themenbezogenen Sonderseiten mit Titeln wie „Eurokrise“ oder „Schuldenkrise“ im Internet zur Verfügung. Für den Leser bringt dies jedoch die Einschränkung mit sich, die Debatte nur aus der Sicht der betreffenden Redaktion präsentiert zu bekommen.

Hier soll exemplarisch der Versuch gemacht werden, ein breiter angelegtes themenspezifisches „Informationsportal“ zu entwickeln, in dem Material aus verschiedenen Quellen bereitgestellt wird – vorwiegend in Form von frei im Web verfügbaren Medienbeiträgen. Auf einer gesonderten Blogseite [s. oben: „Debatte zur Eurokrise (Dokumentation)“] werden daher thematisch angeordnete Links zu einschlägigen Analysen und Kommentaren, aber auch zu Studien, Rezensionen und Videos zusammengestellt. Besonders informative Beiträge sind mit einem Stern * gekennzeichnet. Die Auswahl wird fortlaufend ergänzt. Hinweise werden gern entgegengenommen.

Die Dokumentation einer öffentlichen Debatte in Form einer Zusammenstellung einschlägiger Medienbeiträge entlang inhaltlicher Kriterien steht in dem weitergefassten Rahmen einer internetgestützten Optimierung von Wissensorganisation und von kollaborativen Problemlösungsprozessen. Ein ergänzender Schritt könnte in der Anwendung von „Argument-Mapping“ oder „Dialog-Mapping“ mit Instrumenten wie „Compendium“ bestehen.

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In der Debatte über Lösungsvarianten des Eurokrise werden im wesentlichen zwei Positionen vertreten:

  • Eine „konservative“ Fraktion propagiert eine strikte Austeritätspolitik zum Abbau der hohen Staatsverschuldung und erwartet von der Europäischen Zentralbank, ihre Politik weiterhin ausschließlich an Inflationbekämpfung zu orientieren.
  • Die wachsende „undogmatische“ Fraktion vertritt die Auffassung, die EZB solle die Funktion eines „Lenders of Last Resort“ akzeptieren, wie u.a. die Notenbanken der USA und Großbritanniens, und offiziell verkünden, sie werde – falls erforderlich – in unbegrenzter Höhe Staatsanleihen  der Schuldnerstaaten aufkaufen.
  • Als weitere Lösungsvariante werden verschiedene Konstruktionen von Eurobonds vorgeschlagen.

Diese Positionen gehen auf grundlegend verschiedene makroökonomische Denkansätze (Schulen) zurück, die bei der Analyse volkswirtschaftlicher Problemlagen zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen kommen, mit der häufigen Folge gegensätzlicher Handlungsempfehlungen. Wegen dieses unbefriedigenden Zustands der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft werden auch Beiträge aufgenommen, die sich kritisch mit dieser Thematik befassen.

Es ergibt sich folgende inhaltliche Anordnung:

  • Lageberichte
  • Makroökonomische Analysen und Kommentare
    • a) zu den Ursachen der Krise
    • b) Lösungsvariante „Lockerung der EZB-Politik“ (Funktion als „lender of last resort“)
    • c) Lösungsvariante „Restriktive EZB-Politik und Austeritätsprogramme“
    • d) Lösungsvariante „Eurobonds“
    • e) Sonstige Analysen zur Finanz- und Eurokrise
  • Kritische Beiträge zum Zustand der Makroökonomik als Wissenschaft
  • Studien und Dokumente
  • Rezensionen
  • Videos

So ähnlich fing es auch 1968 an…

… damals aber noch ohne „social media“. Nicht auszudenken, was heute mit Hilfe von Facebook, Twitter etc. daraus werden kann!

Endlich, endlich wachen die jungen Leute wieder auf, wie wir vor 40 Jahren. Wir hatten damals die Nase voll von sozialer Ungerechtigkeit, von unverdienten Privilegien einiger weniger und von Traditionen, die der Unterdrückung unserer Lebensfreude dienten. In ein politisches System, das seine Wurzeln in der Kaiserzeit hatte, das in Spießigkeit erstarrt war und in dem allerorten noch faschistoide Dumpfbackigkeit angesiedelt war, wollten wir frischen Wind bringen. Das ist uns auch gelungen.

Unsere Umgangsformen waren nicht immer zimperlich, damals, Anfang der 1970er Jahre. Die Revolution sollte nicht daran scheitern, dass das Betreten des Rasens verboten war. Reaktionäre Professoren setzten wir schon mal in den Seminarräumen fest – um in Ruhe darüber zu diskutieren, was uns am Herzen lag. War gut so! Die Profs lernten eine neue Perspektive kennen, und wir bekamen ein Gefühl für unsere Macht. Wer den Schlüssel abgezogen hatte, war natürlich nie zu ermitteln.

Aber: Im Vergleich zu damals ist heute alles viel schlimmer. Heute geht es nicht um repressive Traditionen oder sexuelle Befreiung. Heute geht es darum, dass die herrschende Clique im Begriff ist, unsere Welt gegen die Wand zu fahren! Das Unvermögen der führenden Klasse, das Versagen der Politiker, unser Leben auf dieser Erde einigermaßen vernünftig zu organisieren, bedroht uns alle. Vor allem die Architekten und Drahtzieher unseres perversen Weltfinanzsystems haben den Karren tief in den Dreck gefahren. Wie das geschehen konnte? Weil man sie dabei hat gewähren lassen, ihre eigenen Interessen zu verfolgen und das System so zu organisieren, dass der Reichtum immer wieder in die Taschen ein und derselben kleinen Menschengruppe wandert: in die Taschen der Reichen.

„Die Finanzoligarchie schreibt sich die Regeln selbst“

Der Ökonom Max Otte wirft den Politikern vor, sie hätten sich den Finanzmärkten unterworfen. Er spricht von einem „geradezu abgöttischen Respekt“, wenn Politiker sich davon leiten lassen, „nur nicht die Finanzmärkte zu beunruhigen“. Einen „Aufstand der Bürger gegen die Privilegien der Finanzoligarchie“ fordert der Professor.

Engagieren wir uns also. Nehmen wir die Dinge selbst in die Hand. Schreiben wir die Regeln neu, und zwar so, dass das Finanzsystem den Interessen aller dient. Das Geld muss in produktive Projekte fließen, die die Welt voranbringen. Es soll Produktivität fördern und nicht Spekulation.

Wenn nicht wir, wer sonst soll dies auf den Weg bringen? Bevor es endgültig zu spät ist? Jetzt schlägt die  Stunde der Bürger (nicht „Wutbürger“, wie es sogleich abwertend heißt) – die Stunde eines klugen, intelligenten, wachrüttelnden zivilen Ungehorsams.

Erst wird außerparlamentarisch opponiert, dann werden Wahlen gewonnen. Die Stuttgarter Grünen und die Berliner Piraten haben gezeigt, „wie’d jeht“.

„We want to share insights into the formation of a new social movement as it is still taking shape in real time. The video was shot during the 5th and 6th day of the occupation. This idea to occupy the financial district in New York City was inspired by recent uprisings in Spain, Greece, Egypt, and Tunisia which most of us were following online. Despite of the corporate media’s effort to silence the protests, and Yahoo’s attempt to to censor it in e-mail communication, the occupation is growing in numbers and spreading to other cities in the US and abroad.

Please forward our video to likeminded people via email, facebook, twitter – and make the voices of dissent circulate.

Find the latest news, learn how to participate and support:

Information 2.0: Die Mischung macht’s

Mashups gehören zu den herausragenden Neuerungen des Web 2.0. Wie man funktionierende Geschäftsmodelle daraus entwickelt, erläutert Internet-Guru David Weinberger in einer Präsentation seines Buchs Everything Is Miscellaneous: The Power of the New Digital Disorder bei Amazon sehr geschickt anhand von zwei Beispielen:

David Weinberger: The Flocking of Information
As businesses go miscellaneous, information gets chopped into smaller and smaller pieces. But it also escapes its leash–adding to a pile that can be sorted and arranged by anyone with a Web browser and a Net connection. In fact, information exhibits bird-like „flocking behavior,“ joining with other information that adds value to it, creating swarms that help customers and, ultimately, the businesses from which the information initially escaped.

For example, Wize.com is a customer review site founded in 2005 by entrepreneur Doug Baker. The site provides reviews for everything from computers and MP3 players to coffee makers and baby strollers. But why do we need another place for reviews? If you’re using the Web to research what digital camera to buy for your father-in-law, you probably feel there are far too many sites out there already. By the time you have scrolled through one store’s customer reviews for each candidate camera and then cross-referenced the positive and the negative with the expert reviews at each of your bookmarked consumer magazines, you have to start the process again just to remember what people said. Wize in fact aims at exactly that problem. It pulls together reviews from many outside sources and aggregates them into three piles: user reviews, expert reviews (with links to the online publications), and the general „buzz.“ (For shoppers looking for a quick read on a product, Wize assigns an overall ranking.) When Wize reports that 97 percent of users love the Nikon D200 camera, it includes links to the online stores where the user reviews are posted, so customers are driven back to the businesses to spend their money. (mehr …)

„Yes We Can“ – das Video…

…sollten Sie sich unbedingt mal anschauen, wenn Sie es noch nicht kennen.

Wenn es beim Abspielen hakt, können Sie es auch hier ansehen.

Eins ist klar: wenn meine Söhne Amerikaner wären, dann wären sie jetzt auch Teil der Bewegung. Ich selbst auch – vor 30, 40 Jahren.

Die 68er-Zeit lässt grüßen. Nun im Web2.0-Gewand.

Hier der Songtext:

It was a creed written into the founding documents that declared the destiny of a nation.
Yes we can.
It was whispered by slaves and abolitionists as they blazed a trail toward freedom.
Yes we can. Yes we can.
It was sung by immigrants as they struck out from distant shores
and pioneers who pushed westward against an unforgiving wilderness.
Yes we can. Yes we can.
It was the call of workers who organized;
women who reached for the ballots;
a President who chose the moon as our new frontier;
and a King who took us to the mountain-top and pointed the way to the Promised Land.
Yes we can to justice and equality.
(yes we can, yes we can, yes we can, yes we can…)

Yes we can to opportunity and prosperity.
Yes we can to opportunity and prosperity.
Yes we can heal this nation.
Yes we can repair this world.
Yes we can. Si Se Puede
(yes we can, yes we can, yes we can, yes we can…)

We know the battle ahead will be long,
but always remember that no matter what obstacles stand in our way,
nothing can stand in the way of the power of millions of voices calling for change.
We want change!
(We want change! We want change! We want change…)

We have been told we cannot do this by a chorus of cynics who will only grow louder and more dissonant.
We’ve been asked to pause for a reality check.
We’ve been warned against offering the people of this nation false hope.
But in the unlikely story that is America, there has never been anything false about hope. We want change!
(We want change! I want change! We want change! I want change…)

The hopes of the little girl who goes to a crumbling school in Dillon are the same as the dreams of the boy who learns on the streets of LA;
we will remember that there is something happening in America;
that we are not as divided as our politics suggests;
that we are one people;
we are one nation;
and together, we will begin the next great chapter in America’s story with three words that will ring from coast to coast;
from sea to shining sea – Yes. We. Can.
(yes we can, yes we can, yes we can, yes we can, yes we can, yes we can, yes we can, yes we can…)

„Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ – Johann Wolfgang von Goethe, Faust I

Ich wünsche dem Projekt von ganzem Herzen viel Erfolg!

Wissen online: nach dem „Spiegel“ der „Brockhaus“

Die „größte kostenfreie Recherche-Datenbank im deutschsprachigen Internet“ ist seit heute online.

SPIEGEL WISSEN liefert Ihnen mit einer einzigen Suchabfrage Bertelsmann-Lexikoneinträge, Wikipedia-Treffer und alle Artikel aus dem SPIEGEL-Archiv von 1947 bis heute (…) – 1,6 Millionen Artikel und Einträge von SPIEGEL, SPIEGEL ONLINE, manager magazin und der Bertelsmann-Tochter Wissen Media Group. Als Partner mit an Bord: die freie Enzyklopädie Wikipedia mit ihrer deutschsprachigen Ausgabe. Konkret bietet Ihnen SPIEGEL WISSEN:

  • Das Archiv des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL bis zur Gründung 1947 zurück – komplett und kostenlos. (Nur die jeweils letzten beiden Ausgaben bleiben kostenpflichtig.)
  • Alle Inhalte von SPIEGEL ONLINE
  • Einträge von Wikipedia sowie der Lexika und Wörterbücher von Bertelsmann
  • Eine Video- und Bildermediathek“

Hier als Beispiel die Abfrageergebnisse zu den Stichworten „Psychoanalyse“ und „Hirnforschung“.  Auch die bisher kostenpflichtigen „Spiegel-Dossiers“ sind nun integriert.

Eine hilfreiche Ergänzung ist die Merkliste, in der – nach Registrierung – interessierende Einträge aus der Recherche individuell gespeichert werden können.

Einen Überblick über sämtliche Funktionen findet man hier.

In diesem Zusammenhang ist die Nachricht interessant, dass auch Brockhaus sein Lexikon Mitte April kostenlos online zur Verfügung stellen will – und dass die derzeitige 21. Auflage der großen Brockhaus Enzyklopädie vermutlich die letzte sein wird.

„Die Marktanalysen zeigen eindeutig, dass die Kunden künftig Sachinformationen in erster Linie online nachschlagen werden“, begründet ein Unternehmenssprecher laut einem Artikel der Frankfurter Rundschau die weitreichende strategische Neuausrichtung bei Brockhaus. „Die 21. Auflage der ‚Brockhaus Enzyklopädie“ war voraussichtlich die letzte – ab jetzt findet alles online statt.“ In dem Internet-Angebot sollen gemäß der FR neben den erweiterten Inhalten der „Brockhaus Enzyklopädie“ auch zahlreiche weitere Lexika des Verlags abrufbar sein.

Hier äußert sich der Brockhaus-Chef selbst zu den einschneidenden Veränderungen.

Laut Wikipedia „wurde Gutenbergs Buchdruck 1997 vom US-Magazin Time-Life zur bedeutendsten Erfindung des zweiten Jahrtausend gewählt, und 1999 kürte das amerikanische A&E Network den Mainzer zum ‚Mann des Jahrtausends‘.“

Ein ganz heißer Kandidat für das laufende Jahrtausend ist dieser Mann.