„Die Fehler des Westens“ – Panorama-Beitrag zum Ukraine-Konflikt

Einen erhellenden Beitrag zum Konflikt um die Ukraine brachte die Panorama-Sendung am 29.01.2015.

„Wer umzingelt hier eigentlich wen?“ war die Ausgangsfrage von Moderatorin Anja Reschke, und neben den früheren Außenministern James Baker (USA) und Alexander Bessmertnych (Russland) konnten sich so vernünftige Leute dazu äußern wie der ehemalige Genscher-Mitarbeiter und Spitzendiplomat Wolfgang Ischinger, Kohl-Berater Horst Teltschik („Wir haben viele Chancven verschlafen“) und – mit bemerkenswerter Offenheit – der frühere Nato-General Harald Kujat. Sehenswert!

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9 Kommentare

  1. fishman

     /  30. Januar 2015

    Eine wohltuende Sendung. Wenn ich die amerikanische Aufgeregtheit bis hin zu Kriegshandlungen in Erinnerung habe, als sich kommunistische Ostblockaktivitäten in der Nähe der USA abspielten, dann kann ich die Sorge der Russen die Nato betreffend nur allzugut verstehen. Hier war und ist der Westen komplett wortbrüchig und bedrohlich gegenüber Russland geworden. Ich bin immer noch der Meinung, daß die Nato abgeschafft werden sollte. Sie ist nichts anderes als ein Beistandspakt, der die ganze Welt ganz schnell wieder in einen Krieg verwickeln kann, weil aus Regionalkonflikten quasi aus sich selbst heraus kontinentale Konflikte entstehen können. Gerade für uns Deutsche ist es gegenüber Rußland nach nur 25 Jahren deutscher Einheit, die an erster Stelle die Russen zugelassen haben, eine Undankbarkeit erster Klasse, wenn wir jetzt wieder an existenzbedrohenden Schikanen gegenüber Rußland mitstricken.

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  2. Johannes

     /  30. Januar 2015

    Vorab Kritik: Aggressor Putin ist falsch, Aggressor USA/EU sowie ukrainischer Nationalismus trifft es. Die Sezession der Ukraine (hier als Annexion dargestellt) und der Georgienkrieg 2008 (durch Georgiens Angriff auf Südossetien ausgelöst) gab es nicht, sind falsch und geschichtsklitternd dargestellt. Auch das Ausmass der NATO-Osterweiterung wird dem Zuschauer durch die gewählte Landkartenperspektive nicht klar.

    Ansonsten volle Zustimmung. Angesichts der Dauer-mainstream-Propaganda muss man schon froh sein, dass wenigstens sowas gebracht wird.
    Die EU-Politik, geprägt durch US-Vasallentum, ist ein Skandal erster Ordnung. Wie dumm und bestochen mussen Politiker sein, die Interessen der Masse der europäischen Völker den Interessen des Komplexes US/EU zu opfern und ihren Amtseid ständig zu brechen!
    Nicht umsonst warnen die elder statesmen, welche die Wiedervereinigung und die Versöhnung mit Russland bewirkt haben, vor den Folgen dieser desaströsen US/EU Politik. – 2015 wird entscheidend.

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  3. Hugo89

     /  30. Januar 2015

    Ich dachte, ich sei im falschen Film, als ich diesen Beitrag bei Panorama sah. Ich war vorbereitet, mich mal wieder richtig aufzuregen über die Methoden der ARD, Dinge einseitig zu betrachten (jetzt fange ich schon an, so zurückhaltend zu formulieren) und dabei das verkniffene und sendungsbewußte Gesicht von Frau Reschke zu sehen. Und dann dieser Beitrag, ich glaube, mein Mund steht heute noch offen.

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  4. B.Meißner

     /  30. Januar 2015

    Partnerschaft vermittelt Sicherheit. So weit, so gut. Nur blinder Gehorsam gegenüber den amerikanischen Verbündeten, wie ihn Fr. Merkel praktiziert, geht früher oder später ins Auge. Sich mit Russland anzulegen grenzt an Größenwahn, wie einst Napoleon oder Hitler.
    Wo bleibt der Geist der Aufklärung? Ist Deutschland wirklich für eine europäische Führungsrolle geeignet? Meine Zweifel wollen nicht weichen. Wem soll man noch vertrauen? Lest „Der gefährdete Frieden“ von C.F.v. Weizsäcker oder „Die wahre oder einzige Weltmacht“ von Brzeziński, dem Sicherheitsberater des ehem. US-Präsidenten Carter!

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  5. Thomas

     /  1. Februar 2015

    Ein guter, ausgewogener Beitrag. Leider wurde es jedoch auch in dieser Sendung versäumt, neben den diplomatischen Fehlern nach dem Ende der Blockkonfrontation auch die Rolle der USA und ihrer globalen Militärstrategie der „full spectrum dominance“ darzustellen und kritisch zu hinterfragen. Hier gilt es jedoch anzusetzen, wenn man die russischen Bedrohungsperzeptionen ganz erfassen will.

    Die US-amerikanischen Pläne eines land-und seegestützen Raketenabwehrsystems (ob es jemals funktionieren sollte sei einmal dahingestellt) werden in Moskau nämlich als das verstanden, was sie in Wirklichkeit sind: Nämlich als Teil eines Systems, dass in Zukunft zumindest theoretisch den nuklearen Erstschlag gegen die Russische Föderation ermöglicht. Unter anderem in Verbindung mit hochpräzisen Hyperschallflugkörpern, die nach den Plänen des Pentagon in Zukunft in der Lage sein sollen, jeden Punkt der Erde innerhalb einer Stunde zu treffen („prompt global strike“) könnte das Raketenabwehrsystem dazu dienen, nach einem amerikanischen nuklearen „Enthauptungsschlag“ die wenigen dann noch verbliebenen russischen Interkontinentalraketen zu neutralisieren (bleibt noch die seegestützte Vergeltungsfähigkeit, aber sicher glauben die Herren Atomkriegsplaner, auch hier noch Asse im Ärmel zu haben). Damit wäre das russische Arsenal nutzlos und das Land erpressbar.

    Sollte die Ukraine oder ihr westlicher Teil jemals in NATO-Strukturen eingebunden sein, wäre Russland konventionell wohl nicht mehr zu verteidigen, es fehlt dann schlicht die strategische Tiefe.

    Man kann dem russischen Präsidenten vieles vorwerfen, aber nicht, dass er nicht immer wieder vor einer Destabilisierung der europäischen Sicherheit durch NATO-Expansion und vom Westen mitfinanzierte Regimewechsel gewarnt hätte.

    Unsere Regierung handelt gegen unsere ureigensten Interessen und der Grossteil der Medien bejubelt dies geradezu und scheint so von „Atlantikern“ durchsetzt und in ihrer eigenen filterbubble gefangen zu sein, dass sie sich entweder beharrlich weigern oder schlicht nicht in der Lage sind, die historischen Paralellen zu unserer immer hektischeren Zeit zu erkennen.
    Einzig die pensionierten Politiker, Diplomaten und Militärs scheinen überhaupt noch zu begreifen, wie Europas politische Schlafwandler geradewegs auf den Abgrund zutaumeln.

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  1. “Die Fehler des Westens” – Panorama-Beitrag zum Ukraine-Konflikt | Heinrichplatz TV
  2. Die Woche im Rückspiegel betrachtet | Lars Schall

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