Amerikanische Psychiater bezweifeln öffentlich Trumps Amtsfähigkeit

In einem Schreiben an die New York Times, das die Zeitung am 13. Februar 2017 veröffentlichte, bringen 33 US-amerikanische Psychiater und Psychoanalytiker ihre Überzeugung zum Ausdruck, Donald Trump sei infolge seiner gravierenden emotionalen Instabilität außerstande, das Präsidentenamt auszuüben.

Sie beziehen sich zunächst auf einen Meinungsbeitrag des New-York-Times-Kolumnisten Charles M. Blow vom 9. Februar 2017 (s.u.), der Trumps fortwährendes Bedürfnis beschrieben hatte, Opposition gegen ihn „am Boden zu zermahlen“ („He always wants to grind the opposition underfoot“). Diese Besorgnis würden sie als „mental health professionals“ teilen.

Das Schweigen der Mental-Health-Organisationen des Landes sei auf eine selbstauferlegte Entscheidung der American Psychiatric Association aus dem Jahre 1973 zurückzuführen, Personen des öffentlichen Lebens nicht psychiatrisch zu beurteilen – die sogenannte Goldwater Rule. Aber dieses Schweigen habe zur Folge, dass man es in dieser kritischen Zeit unterlasse, die eigene Expertise besorgten Journalisten und Kongressabgeordneten zur Verfügung zu stellen. „Wir fürchten, es steht zuviel auf dem Spiel, als dass weiteres Schweigen gerechtfertigt wäre.“

Die Psychiater fahren fort,

Mr. Trumps Reden und Handlungen zeigen die Unfähigkeit, Ansichten zu tolerieren, die von seinen eigenen abweichen, was [bei ihm stattdessen] wütende Reaktionen nach sich zieht. Seine Äußerungen und sein Verhalten legen eine tiefgreifende Unfähigkeit nahe, sich [in andere Menschen] einzufühlen. Personen mit diesen Eigenschaften verzerren die Realität, damit sie ihrem psychischen Zustand entspricht, indem sie Tatsachen nicht wahr haben wollen und diejenigen angreifen, die diese Fakten offenlegen (Journalisten, Wissenschaftler).

Bei einer mächtigen Führungspersönlichkeit nehmen diese Angriffe wahrscheinlich weiter zu, wenn sich ihr persönlicher Größenmythos zu bestätigen scheint. Wir glauben, dass die gravierende emotionale Instabilität, die sich in Mr. Trumps Redeweise und in seinen Handlungen äußert, ihn unfähig macht, zuverlässig als Präsident zu fungieren. („We believe that the grave emotional instability indicated by Mr. Trump’s speech and actions makes him incapable of serving safely as president“).

Außerdem:
  • Trump’s Leading Rivals Wear RobesCharles M. Blow – New York Times (Opinion Pages), 09.02.2017
    • „In the same way and for the same reason Trump is attacking the press, he is attacking the courts: They are the only real checks on his power and raging ego, while most congressional Republicans sit on their hands and swallow their pride. The only courts or press that Trump sees as legitimate are those that bow to his will. All others are fake, very, very dishonest, unfair or some such. Trump’s intent here is to besmirch the means and motives of his opponents, to drag them down from their perches of principle, to make them more vulnerable to grievous political injury. He always wants to grind the opposition underfoot. This is how democracy slips away, not always by a singular eruption, but sometimes by slow, constant erosion, the way the river carves itself into the rock. – This is not the behavior of a man who respects the independence of the judiciary or who grants any “deference to separation of powers,” as Obama improvised in 2010. This is a tyrant who sees power as a zero-sum game: The exercise of it by another branch means diminution of his own. He doesn’t want to be president, but emperor.“
  • Donald Trump und der republikanische Wähler – Denkraum, 09.02.2016
    • „Der Erfolg eines Rechtspopulisten wie Donald Trump beruht letztlich auf der Mentalität seiner Anhänger. Trumps rüdes, selbstherrliches Auftreten als Ausdruck seiner narzisstischen Persönlichkeitsstruktur und die psychische Struktur seiner republikanischen Wähler passen zusammen wie ein Schlüssel zum Schloss.“
  • Präsident Donald Trump: Chronik eines vorhersehbaren Scheiterns – Denkraum, 23.01.2017
    • „Aus psychologischer Sicht wird die Prognose begründet, Donald Trump werde noch vor Ende seiner Amtszeit scheitern, weil er aufgrund seiner gravierenden Persönlichkeitsstörungen dem Präsidentenamt nicht gewachsen sein wird, was im Laufe der Zeit auch für eine breite Öffentlichkeit zunehmend erkennbar werden wird. Die Folgen der narzisstischen und paranoiden Persönlichkeitsanteile Donald Trumps für seine Amtsführung werden beschrieben, ebenso seine erheblichen Arbeitsstörungen.“
  • Präsident Donald Trump: Chronik eines vorhersehbaren Scheiterns (2) – Denkraum, 01.02.2017
  • Was sieben Tweets über den US-Präsidenten aussagen – Denkraum, 03.02.2017
    • „Donald Trump reguliert und steuert sein Handeln nicht nach Kriterien der Venunft und Rationalität, sondern reagiert impulsiv so, wie seine Emotionen es ihm vorgeben. Die Konsequenzen, die seine emotionalen Spontanreaktionen nach sich ziehen, bleiben unberücksichtigt. Der gegenwärtige Präsident der Vereinigten Staaten verfügt nicht über einen freien Willen auf der Grundlage von Selbstkontrolle und rationaler Überlegung. Er ist ein Getriebener seiner jeweiligen psychischen Bedürfnisse und Impulse, die sehr häufig aggressiv getönt sind. Auf diese Weise ist er eine ständige Provokation und eskaliert jeden Konflikt. Das macht ihn brandgefährlich.“
  • How Many Days Before President PenceRonald L. Feinman – Newsweek, 19.02.2017
    • „The vice president could make a convincing case it is too risky to leave Trump in power.“
    • „Many foreign policy professionals are shaking their head at Trump’s inappropriate behavior and language every time he speaks in public, or issues a Twitter comment, and his instability and recklessness.“
    • „In any case, it seems likely that Donald Trump will be leaving the Presidency at some point, likely between the 31 days of William Henry Harrison in 1841 (dying of pneumonia) and the 199 days of James A. Garfield in 1881 (dying of an assassin’s bullet after 79 days of terrible suffering and medical malpractice). At the most, it certainly seems likely, even if dragged out, that Trump will not last 16 months and 5 days, as occurred with Zachary Taylor in 1850 (dying of a digestive ailment). The Pence Presidency seems inevitable.“