„Glaubwürdigkeit des Westens fundamental beschädigt“(Norbert Röttgen)

Nachdem sowohl Außenminister Heiko Maas als auch Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ihre Teilnahme am gestrigen ARD-Brennpunkt zur Machtübernahme der Taliban in Afghanistan abgesagt hatten, wurde ersatzweise der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), um eine Stellungnahme gebeten. Und der fand klare Worte.

Auf die Frage des Moderators, ob es für den von Markus Söder geforderten Nato-Sondergipfel nicht viel zu spät sei, antwortete Röttgen, emotional sichtlich berührt:

„Es ist alles viel zu spät!“ Der Truppenabzug sei viel zu früh gekommen – „eine weitreichende schwere Fehlentscheidung der jetzigen amerikanischen Administration“. Man erlebe „das politische Scheitern des Westens nach 20 Jahren“. Er sage dies „mit traurigem Herzen und mit Entsetzen darüber, was passiert ist“. Es sei eine der ernstesten Situationen der letzten Jahrzehnte entstanden – „eine fundamentale Beschädigung der politischen und moralischen Glaubwürdigkeit des Westens.“ Daher müsse es auf der Ebene der Europäischen Union und der Nato Gipfeltreffen darüber geben, „wie wir mit dem eigenen Scheitern umgehen“.

Jede Wette: weder der Außenminister noch die Verteidigungsministerin hätten das Scheitern der Afghanistan-Politik des Westens so ungeschönt eingestanden.

Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Die Entwicklung ist unumkehrbar, und dies für lange Zeit. Das Projekt, aus Afghanistan einen Staat nach westlichem Vorbild zu machen, ist an der Übermacht des archaischen islamisch-patriarchalen Bevölkerungsteils – 80% Land-, 20 % Stadtbevölkerung – und dessen Interesse, diese Gesellschaftsstruktur zu erhalten, gescheitert.