Sonia Mikichs cooler Kommentar zum Trump-Interview

Einen klugen und zugleich fetzigen Kommentar zum Trump-Interview mit der Bild-Zeitung ließ sich WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich für die Tagesthemen einfallen. In wenigen Sätzen analysiert sie Trumps Versuch einer Neuerfindung von Politik als reines Dealmaking und kommt zu einer verblüffenden Schlussfolgerung: „Make Europe great again.“

Eine Kreuzung aus Nero und Dagobert Duck

Die Vereidigung von Donald Trump rückt näher und mit jedem Tag scheint der Rest der Welt zu hoffen, dass er doch noch zur Vernunft kommt. Doch auch in seinem jüngsten Interview zeigt er nur die Selbstverliebtheit eines Narzissten und Egomanen.

Ein Kommentar von Sonia Seymour Mikich, WDR

Bleiben wir nicht bei den Schlagzeilen stehen: Strafzölle für deutsche Autos, NATO obsolet, Brexit prima, Merkels Flüchtlingspolitik katastrophal. Nein, wer das ganze Interview liest, erlebt Widersprüche, Angeberei, verbale Erektionen und eine Gedankentiefe von höchstens 140 Zeichen. Halbwertszeit: ein Tag.

Das waren nicht Positionen eines Politikers, sondern die Selbstverliebtheit eines Narzissten von altrömischer Größe, eines Egomanen aus einem Comic. So ungefähr die Kreuzung aus Nero und Dagobert Duck.

Trump - typischer Gesichtsausdruck

Keine Ideale, keine Ideologie. Bis auf „Make America great again“ kennen wir Trumps Plan immer noch nicht. Und hoffen heimlich auf die Vernunft seines Teams. Der künftige Präsident der Weltmacht sagt dies und das und andersherum und immer ganz laut und schnell. Sein Anliegen wird immer deutlicher: die Politik zu entpolitisieren, aus ihr einen Deal, eine Transaktion zu machen. Was kostet was, wer zahlt wieviel, wer hat wovon mehr, wer weniger.

Europa muss Machtbewusstsein neu üben

Ob es um einen Golfplatz oder das westliche Verteidigungsbündnis geht: Die Zahl unter dem Strich zählt, und dies ist ein anderer Wert als für Europäer. Politik ist hierzulande ein mühseliges Aushandeln von verbindlichen Verträgen, Kompromisse finden, korrigieren und wieder von vorn. Nix davon beim neuen US-Präsidenten, das verhindert seine Eigenwahrnehmung.

Die Regierungen in aller Welt sollten also ihre Diplomaten fit machen für das ganz große Dealen. Wenn Interessensausgleich – zum Wohle vieler – zu einer naiven Idee von vorgestern gemacht wird, müssen wir in Europa Selbstbewusstsein, ja, Machtbewusstsein neu üben.

„Make Europe great again“ – und das passt sogar in einen Tweet.

Außerdem:
  • President Trump – ausgezeichnete Doku des amerikanischen TV-Senders PBS (Sendereihe „Frontline„) über den Werdegang und die Persönlichkeitsentwicklung Donald Trumps von seiner Kindheit bis heute. Insbesondere die langjährige, prägende Beziehung Trumps zu dem höchst umstrittenen New Yorker Anwalt Roy Cohn wird in der Doku eingehend beleuchtet.
    • „An examination of the key moments that shaped President-elect Donald Trump. Interviews drawn from The Choice 2016 with advisors, business associates and biographers reveal how Trump transformed himself from real estate developer to reality TV star to president.“
  • Amerika über allesTobias Fella – IPG Journal, 23.01.2017
    • „Donald Trumps „America first“ darf nicht als Isolationismus verstanden werden. Es ist viel schlimmer.“
    • „Die Welt des Präsidenten ist eine der Gegensätze: Es sind „wir oder sie“, es wird „gewonnen oder verloren“. Demnach muss die Rückerlangung von Amerikas Großartigkeit zu Lasten anderer gehen. Was die Folgen für die internationale Politik und Ordnung sind, ist nachrangig. – „America first“ darf aber nicht als Isolationismus missverstanden werden. Das Imperium bleibt, bloß seine Definition wird enger und seine Instrumente kruder – im Inneren wie im Äußeren. Wie im Wirtschaftsleben möchte Donald Trump seine Gegner auf allen Ebenen dominieren. Regeln dürften gebrochen und auch Kriege geführt werden, einzige Voraussetzung: sie rechnen sich. Dazu passt sein Bedauern, dass besiegte Länder heute nicht mehr ausgebeutet und behalten werden dürfen. Und wenn er seine Vorgänger kritisiert, dann fordert er nicht etwa weniger Engagement ein, sondern ein Mehr an Selbstsucht und Eigennutz. Im Fall von Libyen, so Kandidat Trump, „würde ich das Öl nehmen und den ganzen Kinderkram lassen. Ohne Öl, bin ich nicht interessiert“.
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6 Kommentare

  1. Nemesis

     /  17. Januar 2017

    Zwangsfinanzierte Hasskommentare einer deutschen “ Perle des Journalismus“

    Ekelhaft.

    Antwort
  2. Bis jetzt „kennt“ niemand Trumps wirklichen Charakter genug für eine intelligente Analyse.
    In 8 Jahren hat man es nicht einmal geschafft Obama so zu sehen wie er als Präsident wirklich ist/war. Der Friedenspreisträger mit dem meisten Blut an den Händen – vielleicht noch mehr als Bush, zählt man nur die zivilen Opfer – und ein Blender, ein begabter Rhetoriker; wie die meisten Linken. (Man denkt hier an die Rehabilitierung der Amtszeit von Reagan, Liebling der Karrikaturisten, Kabarettisten und Profi-Zyniker).
    Wenn Trump eine Mischung aus Nero und Donald Duck sei, was wird dann wohl aus Obama (Ghandi, Muhammad Ali and Rommel?) Nein, der ist schon auf dem Wege in die Walhalla.
    Warten wir auf seine Taten. Und Sie haben recht, sein Kabinett ist entscheidend, sowie die unsichtbaren Drahtzieher hinter allen US Präsidenten seit Wilson

    Antwort
    • Markus Wichmann

       /  17. Januar 2017

      Wie lange würden Sie denn brauchen, um sich ein Bild vom Charakter einer derart öffentlichen Person wie Donald Trump zu machen? Zu seiner hochproblematischen Persönlichkeit kommt hinzu, dass er von Politik keine Ahnung hat, wie er selbst einräumt. Er wird das machen, was er kann, und versuchen, die USA wie ein Unternehmen zu führen. Dass er sich von seinem Kabinett leiten lässt, wäre für einen Narzissten und Egomanen wie Trump untypisch. Allenfalls hat seine Familie Einfluss auf ihn.

      Das Blatt wird sich erst wieder wenden, wenn Trumps Wähler merken, dass er vieles von dem, was er im Wahlkampf vollmundig versprochen hat, nicht liefern kann. Hoffen wir nur, dass er bis dahin nicht allzu viel Unheil anrichtet.

      Antwort
  3. Wir meinen, die einzige Karriere für die eine – sagen wir, „formelle Ausbildung“ – eher schädliche Vorraussetzung ist, ist die des Politikers. Unter den größten Staatsmännern befanden/befinden sich kaum klassische „Staatskünstler“. Ein erfolgreicher, selbstständiger Geschäftsmann kann wohl kein ganzer Trottel sein – jedenfalls hat er mehr durch seinen Erfolg bewiesen als der Staatsangestellter oder lohnabhängige Journalist.
    Wir haben die Machenschaften der Clintons von Beginn an verfolgt. Wieviel mehr Unheil als die Clintons und Obama könnte er – außenpolitisch, was wichtig für die BRD ist – anrichten? Wenn er einen Krieg mit Mexiko anfinge, wäre es uns lieber als einen mit Russland. Ob ein US-Präsident ganz ohne Krieg auskommt, möchten wir bezweifeln.

    Antwort
    • Markus Wichmann

       /  17. Januar 2017

      Was Mexiko angeht, sollte er sich entscheiden: „Wall“ oder „Krieg“. Wall und Krieg wäre zuviel des Guten, imho. Allemal, weil die Mexikaner den Krieg gewiss nicht nur mit dem Leben, sondern obendrein in harten Dollar bezahlen müssten.

      Ich schätze, Trump macht das anders: Der handelt mit Mexiko ein Schutzgeld aus, z.B. gegen Angriffe Kanadas.

      Antwort
  1. Trump und Europa: Es wird alles anders | Ceiberweiber

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