Benedikt und die Teufelsaustreiber

Joseph Ratzinger, derzeit noch Papst Benedikt XVI., ist wahrlich eine widersprüchliche Figur. Einerseits hat er durchaus kluge Reden gehalten, wie die vor dem Deutschen Bundestag über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats. Auch sein Vortrag an der Universität Regensburg zum Verhältnis von Glauben und Vernunft, der in der islamischen Welt für so viel Wirbel gesorgt hat, enthielt interessante Gedanken: Die „Pathologien der Religion und der Vernunft“, die uns bedrohen, prangerte Benedikt damals an und sprach in einer Messe vor 300.000 Gläubigen von „lebensgefährlichen Erkrankungen der Religion“.

Heute, wo wir die Pathologien, die lebensgefährlichen Erkrankungen der Religion und der Vernunft sehen, die Zerstörungen des Gottesbildes durch Haß und Fanatismus, ist es wichtig, klar zu sagen, welchem Gott wir glauben und zu diesem menschlichen Antlitz Gottes zu stehen.

Über manch abstrusen religiösen Schwachsinn, den der scheidende Papst aus Deutschland in seinem Amt betreibt, kann man allerdings nur fassungslos den Kopf schütteln, wozu eine Pressemeldung von heute wieder einmal Anlass gibt:

Der oberste römische Teufelsaustreiber Gabriel Amorth hat Benedikt XVI. seinen Dank ausgesprochen: Des Papstes „wirkungsvolle Gebete zur Teufelsaustreibung“ waren eine „große Ermutigung“ für „Exorzisten aus aller Welt“.

Der römische Chef-Exorzist Gabriel Amorth hat den Einsatz des scheidenden Papsts Benedikt XVI. für Anliegen der Teufelsaustreiber gewürdigt. Bei einer Audienz habe das Oberhaupt der katholischen Kirche „Exorzisten aus aller Welt“ empfangen und ihnen „große Ermutigung“ gegeben. Das sagte Amorth am späten Freitag im religiösen italienischen Fernsehsender TV2000. So habe Benedikt „wirkungsvolle Gebete zur Teufelsaustreibung geschenkt“.

Bereits vor seiner Wahl zum Papst habe Kardinal Joseph Ratzinger die katholische Kirche so reformiert, dass „die Front im Kampf gegen Satan“ gestärkt worden sei, sagte der oberste Exorzist der Diözese Rom, deren Bischof der Papst ist. Dies gelte „nicht nur mit Blick auf Teufelsbesessenheit von Menschen, sondern auf alle Fälle von durch den Teufel verursachten Störungen“.

Fälle vollständiger Besessenheit seien zwar selten, er habe aber Opfer des Teufels „auf Mauern laufen und wie Schlangen über den Boden gleiten“ sehen, sagte Amorth. Durch den Teufel verursachte Störungen seien hingegen inzwischen „sehr verbreitet“.

Amorth hatte in der Vergangenheit etwa die Missbrauchsfälle und die Zerstrittenheit in der Kirche auf den Teufel zurückgeführt.

Nach Angaben von Wikipedia bietet der Vatikan Exorzismuskurse an und „führte 2004 die erste internationale Exorzismuskonferenz in Mexiko durch. Während einer Generalaudienz auf dem Petersplatz am 15. September 2005 wandte sich Papst Benedikt XVI. an die Teilnehmer des Nationalkongresses der italienischen Exorzisten und ermutigte sie dazu, ‚mit ihrem wertvollen Dienst an der Kirche fortzufahren'“.

Im März 2010 berichtete der Vatikan-Experte
Andreas Englisch (Markus Lanz: „Maschinengewehr Gottes“) in der Bild-Zeitung, „unter der Regentschaft von Papst Benedikt XVI. erleben Teufelsaustreiber wieder einen Aufschwung“: der Vatikan wolle dafür sorgen, dass jede der 3000 Diäzösen einen eigenen Teufelsaustreiber bekommt. An der päpstlichen Universität Regina Apostulorum sei eigens „ein Kurs zur Ausbildung von Priestern im Fach Exorzismus“ eingerichtet worden.

„Nicht vernunftgemäß handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider“
hatte Benedikt in seiner Regensburger Rede gesagt. Christlicher Gottesdienst müsse immer im Einklang mit der Vernunft stehen:

„Das Große der modernen Geistesentwicklung wird ungeschmälert anerkannt: Wir alle sind dankbar für die großen Möglichkeiten, die sie dem Menschen erschlossen hat und für die Fortschritte an Menschlichkeit, die uns geschenkt wurden. Das Ethos der Wissenschaftlichkeit (…) ist im übrigen Wille zum Gehorsam gegenüber der Wahrheit und insofern Ausdruck einer Grundhaltung, die zu den wesentlichen Entscheiden des Christlichen gehört.

Für den Umgang der katholischen Kirche mit psychischen Erkrankungen, soweit sie das Erscheinungsbild einer „Teufelsbesessenheit“ annehmen, gelten „das Ethos der Wissenschaftlichkeit“ und der „Gehorsam gegenüber der Wahrheit“ jedenfalls nicht. Auch sind es nicht „die großen Möglichkeiten, die (die moderne Geistesentwicklung) dem Menschen erschlossen hat“, in diesem Fall auf dem Gebiet der Medizin, und die damit verbundenen „Fortschritte an Menschlichkeit“. die diesen schwer kranken Menschen seitens der katholischen Kirche nahegelegt werden. Stattdessen werden sie von Quacksalbern wie dem Pater Amorth auch heute noch völlig grotesken, aus dem Mittelalter stammenden magischen Prozeduren ausgesetzt, die Betroffene schon das Leben gekostet haben.

Dass die katholische Kirche an der Gottesphantasie festhalten muss, ist jedem klar, die ist schließlich ihre Geschäftsgrundlage. Dass sie aber manche psychische Erkrankungen heute noch als Besessenheit vom Teufel ansieht, einem weiteren Phantasiegebilde aus der vorwissenschaftlichen Zeit magischen Denkens, und mit abergläubischen Ritualen bekämpft, ist eine Religionspathologie (s.o.) allerersten Ranges und macht noch einmal das ganze gefährliche Ausmaß der anti-aufklärerischen Verdummungsstrategie des Vatikan deutlich.
Vielleicht ist es ja auch diese diabolische Personifizierung des Bösen, die bei den vielen Missbrauchs-Missetaten kirchlicher Amtsträger ihre Hand im Spiel hatte? Zum Exorzisten mit Ihnen?
Siehe auch:
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