„Hymnus auf die Bankiers“ (Erich Kästner)

Ein nahezu zeitloses Gedicht zum Problemfeld Banken aus dem Jahr 1929, von einem Meister der (Ge)Dichtkunst:

Hymnus auf die Bankiers

Der kann sich freuen, der die nicht kennt!
Ihr fragt noch immer: Wen?
Sie borgen sich Geld für fünf Prozent
und leihen es weiter zu zehn.

Sie haben noch nie mit der Wimper gezuckt.
Ihr Herz stand noch niemals still.
Die Differenzen sind ihr Produkt.
(Das kann man verstehn, wie man will.)

Ihr Appetit ist bodenlos.
Sie fressen Gott und die Welt.
Sie säen nicht. Sie ernten bloß.
Sie schwängern ihr eignes Geld.

Sie sind die Hexer in Person
und zaubern aus hohler Hand.
Sie machen Geld am Telefon
und Petroleum aus Sand.

Das Geld wird flüssig. Das Geld wird knapp.
Sie machen das ganz nach Bedarf.
Und schneiden den anderen die Hälse ab.
Papier ist manchmal scharf.

Sie glauben den Regeln der Regeldetri *
und glauben nicht recht an Gott.
Sie haben nur eine Sympathie.
Sie lieben das Geld. Und das Geld liebt sie.
(Doch einmal macht jeder Bankrott!)

Anmerkung: Die Konsumenten sind die linke Hand des gesellschaftlichen Organismus, die Produzenten sind die rechte Hand. Die Bankiers sind die Heimlichkeiten zwischen den beiden. (Erich Kästner)

* regula de tribus numeris = Dreisatzrechnung

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Ein Kommentar

  1. MartinGreenDolphin

     /  26. November 2012

    Da antworte ich doch mit einem treffenden Zitat eines anderen großen Dichters😉

    „Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten.Wahre Profis gründen eine Bank.“ (Bertolt Brecht)

    Antworten

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