Euro-Krisenlage eskaliert – mal wieder…

Aus dem heutigen Handelsblatt-Newsletter „Finance today“:

Warnung vor dem Euro-Kollaps

Der Plan der Euro-Retter, Krisenländer mit Sparauflagen zu disziplinieren, geht nicht auf, schreibt das » Handelsblatt. In Spanien gehen die Menschen auf die Straße, andere Schuldenstaaten stellen sich quer. Die deutsche Wirtschaft schlägt Alarm und warnt vor dem Euro-Kollaps.

„Bei einem Euro-Kollaps droht neues 1933“, warnen auch Nouriel Roubini, US-Ökonom, und Nial Ferguson, Professor für Finanz- und Wirtschaftsgeschichte an der Harvard University in der » Financial Times Deutschland. Ihre Empfehlung: „Statt ständig nur Inflationsangst zu haben, sollten die Deutschen den Zusammenbruch Europas fürchten – und sich daher nicht länger gegen eine gemeinschaftliche Finanzhaftung in einer Bankenunion sperren“.

Auch die Jugend hat Ihr Vertrauen in den Euro verloren. Wie aus einer Studie des Bankenverbands hervorgeht, glauben rund 56 Prozent, dass der Euro langfristig nicht erfolgreich sein wird. Jeder Zweite kann sich mittlerweile auch eine Zukunft ohne den Euro vorstellen. » (Handelsblatt)

Weltweit schwindet das Vertrauen in das Kapitalismus-Modell. In elf von 21 Staaten glaubt höchstens noch die Hälfte der Befragten, freie Marktwirtschaft führe zu mehr allgemeinem Wohlstand. Besonders ausgeprägt ist dieser Vertrauensverlust in Nationen, die von der Euro-Krise stark betroffen sind – wie Italien oder Spanien. Dort ist auch der Rückhalt für die These, durch harte Arbeit lasse sich mehr Wohlstand erreichen, deutlich gesunken. » (Handelsblatt » Spiegel)

Sag mal AAA
Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit Italiens um zwei Noten heruntergestuft. Die Bewertung ist auf Baa2 von A3 gesenkt worden und liegt nur noch zwei Stufen über Ramschniveau. » HB

Claire Hill, Professorin an der Universität von Minnesota, sind die großen Rating-Agenturen zu mächtig, ihr Einfluss aber kaum zu unterschätzen. „Das verlockend simple Label aus Großbuchstaben suggeriert eine simple Welt, die es schlicht nicht gibt“, schrieb sie für das Debattenportal » The European.

Griechenland verfehlt Großteil der Sparziele
Der vorläufige Bericht der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank über die Reformen in Griechenland zeichnet nach Informationen der » Rheinischen Post aus Regierungskreisen ein fatales Bild der Lage. Demnach hat die griechische Regierung 210 von 300 Sparvorgaben nicht erfüllt. Bei den Privatisierungen würden dieses Jahr nur zwei Maßnahmen mit einem Volumen eines zweistelligen Millionenbetrags umgesetzt. Die griechische Regierung verlangt deshalb von den internationalen Geldgebern mindestens zwei weitere Jahre, um die Auflagen umzusetzen, doch Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt offenbar weitere Zugeständnisse an Griechenland bei der Umsetzung der Reformen ab.

Für und Wider zur Vermögensabgabe
Der Vorschlag des DIW, die Schuldenkrise durch eine Vermögensabgabe oder Zwangsanleihe zu bekämpfen, hat interessante Reaktionen ausgelöst, meint die » Zeit. Und listet zehn Gründe für die Einführung einer solchen Abgabe auf. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU) sieht anders als das Bundesfinanzministerium in einer Zwangsanleihe für Reiche zur Finanzierung der hohen Staatsschulden auch ein Modell für Deutschland. » (Handelsblatt) Abgelehnt wird die Zwangsanleihe von der » Süddeutschen Zeitung (Video). Schließlich seien die Reichen nicht für den Schlamassel verantwortlich.

„Es wird eine weitere Eskalation geben“
Jan Amrit Poser, Chefökonom und Leiter Research Bank Sarasin, glaubt, dass die Euro-Länder zumindest eine temporäre Vergemeinschaftung der Schulden beschliessen werden. „Es wird eine weitere Eskalation geben. Dies ist aber nicht das Ende des Euros, wie viele denken. Die Märkte werden die Politiker über kurz oder lang zwingen zu reagieren“, sagte er gegenüber » Finanz und Wirtschaft.

Düstere Zukunft für den Kapitalismus
„Die Schuldenlawine“ – „Wirtschaftsbuch der Woche“ im Handelsblatt – zeichnet ein Schreckensszenario: Tod der freien Märkte. Schleichend wird er kommen, prophezeien die Vermögensverwalter Bert Flossbach und Philipp Vorndran. Im Science-Fiction-Stil rechnen sie mit den Banken ab. Doch was ist die Lösung?
» Handelsblatt-Renzension

Siehe auch:
  • Nacht-und-Nebel-Rettung für Rom?– Der Bund (Schweiz), 13.07.2012
    • „Moody’s hat Italiens Bonität um zwei Stufen gesenkt. Zwar konnte das Land bei einer Auktion von Staatsanleihen günstig Geld aufnehmen, doch in Brüssel herrscht Nervosität. Vorbereitungen für eine Rettung laufen.“
  • Euro-Krise könnte sich zum Flächenbrand ausweitenDietmar Neuerer– Handelsblatt, 13.07.2012
    • „Italien unter Druck, Spanien immer mehr auf EZB-Hilfe angewiesen, Griechenland ohne Chance auf Besserung der Lage: Die Zeichen mehren sich, dass sich die Euro-Krise ausweitet. Ökonomen blicken mit Sorge in die Zukunft.“
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Ein Kommentar

  1. Camilla

     /  18. Juli 2012

    Nicht nur der Kapitalismus, auch der Zentralismus haben eine ungewisse Zukunft. Die Macht sollte weniger in Brüssel, sondern eher in den Regionen liegen. Wenn Regionen nun versuchen, sich aus dem ESM zu verabschieden (http://wirsindbayern.bayernpartei.de/aktuelle-petitionen/esm-ohne-bayern), sollte das ein riesiges Warnsignal sein. Wenn Europa zerbröckelt, werden auch die Nationalstaaten bisheriger Prägung zerbrechen. Wie’s danach weitergeht? Who knows…

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