Spanien, Zypern, Italien, USA – da reicht kein Geld der Welt

Aus dem heutigen Börsen-Newsletter „Dax Daily“ – Verfasser Henrik Voigt:

„Deutsche Regierungskreise“ wurden in den Finanzmedien gestern mit bahnbrechenden Erkenntnissen zitiert:

Es gibt Anzeichen für eine weltweite wirtschaftliche Abkühlung (wirklich überraschende Erkenntnis nachdem die Frühindikatoren, z.B. die Einkaufsmanagerindizes, bereits seit über einem Jahr fallen). Die Risiken in der Eurozone haben bedeutend zugenommen (auch das ein Geniestreich, wo doch der Euro erst seit Mai 2011 fällt). Die Verantwortung für Weltwirtschaft liegt nicht allein bei Europa (sehr amüsant ist die Beobachtung, wie der schwarze Peter“ immer wieder zwischen Europa und Amerika hin und hergeschoben wird).

Etwas knackiger“ war da schon die Aussage des niederländischen Finanzministers, der sagte, die Lage in Europa sei weit entfernt von einer stabilen Situation. Nehmen wir nur das jüngste (ich nenne es mal beim richtigen Namen) Umschuldungspaket für Spanien: Die Bedingungen der Kreditvergabe sind noch gar nicht geklärt. Und die Wirkung auf die spanischen Anleihezinsen bisher gleich Null. Die Renditen für zehnjährige spanische Titel kletterten gleich mal auf ein neues Allzeithoch bei 6,74 Prozent. Für die italienischen Zinsen ging es im Schlepptau gleich mit auf über sechs Prozent nach oben. Und vorsorglich kündigte Zypern schon mal an, Rettungskandidat Nummer 5 werden zu wollen.

Eine interessante Meldung in diesem Zusammenhang ging gestern beinahe unter: Eine Auktion dreijähriger Titel der USA im Volumen von 32 Milliarden Dollar verlief erstaunlich schlecht. Hier fielen die indirekten Gebote, ein Gradmesser für das Interesse ausländischer Investoren, mit nur noch 27 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2007. Wenn das ein Trend wird und keine Eintagsfliege war, dann wird sich die Finanzwelt wohl demnächst bald dem größten Schuldenmacher unter der Sonne zuwenden und dann haben die USA ein gewaltiges Problem mit ihrer eigenen Refinanzierung. Das Thema US-Schulden wird ohnehin noch in diesem Jahr an den Finanzmärkten hochgekocht werden, denn hier droht eine erneute Haushaltssperre.

Am Ende wird kein Geld dieser Welt ausreichen, um die über 75 Jahre angehäuften riesigen Schuldenberge von 70 Billionen Dollar (nein, kein Druckfehler) noch irgendwie abzutragen. Das ist der Stoff, aus dem sich die Deflation speist, die in den meisten Ländern dieser Welt bereits im vergangenen Sommer begonnen hat. Bisher hat keine Notenbankmaßnahme diesen Trend umkehren können.

Siehe auch:
  • Kurz vor dem KollapsWolfgang Münchau– Spiegel Online, 13.06.2012
    • „Muss nach Spaniens Banken bald auch Italien unter den europäischen Rettungsschirm? Die Hilfen würden bei weitem nicht reichen – der Euro-Zone droht der Kollaps. Wie würde ein Zusammenbruch ablaufen?“
  • Das Ende der Welt, wie wir sie kennen – Harvard-Professor Dani Rodrikdenkt das gegenwärtige Krisenszenario weiter- Project Syndicate, 13.06.2012
    • „Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Nach einem Sieg der linksradikalen Partei Syriza kündigt die neue griechische Regierung an, sie wolle die Bedingungen in den Abkommen mit dem Internationalen Währungsfond und der Europäischen Union neu verhandeln. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bleibt unnachgiebig und meint, Griechenland müsse sich an die bestehenden Vereinbarungen halten.“

Sage später niemand, es habe keine Warnungen gegeben. Es gibt sie seit Jahren, und sie werden immer konkreter.

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