Joseph Stiglitz: Hilfsprogramm für Spanien „Voodoo-Ökonomie“

Goldener Schuss (SEGA, Sofia)

Aus dem heutigen Handelsblatt-Newsletter Finance Today:

„Voodoo-Ökonomie muss scheitern“

Nach der Entscheidung, Spaniens Banken zu stützen, währte die Freude der Investoren nur kurz. Die Sorgen um den Euro bleiben einfach zu groß, analysiert das»  Handelsblatt. Da sei „Schnelligkeit vor Gründlichkeit“ gegangen, findet auch die » Welt, doch eine grundlegende Frage – die die Anleger sofort gestellt hätten – bleibe unbeantwortet: Hat Spanien tatsächlich nur ein Banken-Problem? Bei » Reuters kritisierte der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz das Hilfsprogramm als „Voodoo-Ökonomie“. Das Muster sei: „Die spanische Regierung rettet die spanischen Banken, und die spanischen Banken retten die spanische Regierung“. Das könne so nicht funktionieren. Immerhin gäbe es wenig Anlass zur Sorge, dass die Hilfe an Spanien nun weniger strikt überwacht würde als die bisherigen Komplettprogramme in Irland, Portugal und Griechenland, findet die » Börsen-Zeitung, Spanien werde „unter Aufsicht gestellt“.

Nun rückt Italien in den Fokus der besorgten Anleger. Denn dort drücken die Schulden noch stärker, meint die » Financial Times Deutschland: die Zweifel am Reformkurs Roms würden wachsen. Auch die » Süddeutsche Zeitung beobachtet eine „dramatische Bruchlandung für die kränkelnde Industrie“ in Italien und einen herben Rückschlag für die gesamte Konjunktur. Nun wachse die Sorge, dass der Stiefel der nächste Kandidat für den Rettungsschirm werden könnte. Und die Griechen witterten jetzt Morgenluft, beobachtet der » Spiegel. Weil Spanien nicht unter den Rettungsschirm schlüpfen muss, sondern lediglich Finanzhilfen für seine Banken beantragen kann, forderten Hellas Politiker jetzt neue Verhandlungen für das eigene Milliardenpaket.

Posthume Ansichten

André Kostolany ist zwar verstorben, hätte laut » Handelsblatt aber gewiss eine Meinung zur Spanienkrise. In einem fiktiven Gespräch meint die Investorenlegende auf die Frage nach plötzlichen Staatspleiten in der Euro-Zone: „Nichts würde geschehen“. Im übrigen sei „das Wort ‚plötzlich‘, gelinde gesagt, leicht unpassend“. Viele Länder seien seit Jahren zahlungsunfähig und sie würden ihre Zahlungen aus dem einfachen Grunde nicht einstellen, weil die Gläubigerländer immer neue Kredite gewährten, damit sie die Zinsen bedienen.

Siehe auch:
  • Deutsche Wirtschaft bereitet sich auf Euro-Crash vor– Welt, 09.06.2012
    • „Notfallpläne für einen griechischen Euro-Austritt sind in deutschen Firmen gefragt wie nie. Viele ziehen vorsorglich ihr Kapital ab, manche bereiten sich sogar auf einen Zerfall der Euro-Zone vor.“
  • Spanien-Rettung mit fatalen FolgenMalte Fischer, Wirtschaftswoche, 09.06.2012
    • „Der Rettungsschirm für Spaniens Banken beschleunigt den Weg der Euro-Zone in die Transferunion. Die Haftungssummen für Deutschland werden immer größer. Damit steigt die Gefahr, dass die Währungsunion im kollektiven Staatsbankrott oder in der Hyperinflation endet.“
  • WolkenkuckucksheimPaul Krugman(Blog), 09.06.2012
    • „Martin Wolf reports on a letter he has received from the Director General of the German Finance Ministry; taken in context with the speech just given in Riga by Germany’s man at the ECB, what we get is a terrifying picture. Basically, it seems that even as the euro approaches a critical juncture, senior German officials are living in Wolkenkuckucksheim — cloud-cuckoo land.“
  • Ausstiegsszenario: Die gigantischen Verluste bei der Rückkehr zur D-MarkJörg Eigendorf und Tobias Kaiser haben nachgerechnet – Welt, 10.06.20112
    • „Jeder zweite Deutsche will inzwischen die D-Mark zurück. „Welt Online“ hat einen Euro-Ausstieg der Bundesrepublik durchgespielt. Die Konsequenzen für Staat, Bürger und Unternehmen sind erschreckend.“
  • Das Endspiel um den Euro hat gerade erst begonnenHerbert Rude, Wall Street Journal Deutschland, 10.06.2012
    • „Nach Meinung des renommierten Hedge-Fonds-Investors George Soros hat die Politik noch drei Monate, um die Probleme der Euro-Zone zu lösen. Dann werde sich die wirtschaftliche Situation auch in Deutschland so stark eintrüben, dass die deutsche Bevölkerung nicht mehr zu einer stärkeren Beteiligung an den Sanierungskosten zu bewegen sei, warnt Soros.“
  • Spain and the euro crisis: when €100bn doesn’t fix much– The Guardian, 10.06.2012
    • „Whatever Mariano Rajoy or the IMF might say, the deal that was announced on Saturday evening settles very little.“
  • Another Bank Bailout– Paul Krugman – New York Times, 10.06.2012
    • „Whatever the deep roots of this paralysis, it’s becoming increasingly clear that it will take utter catastrophe to get any real policy action that goes beyond bank bailouts. But don’t despair: at the rate things are going, especially in Europe, utter catastrophe may be just around the corner.“
    • Deutsche Übersetzung – Der Standard, 12.06.2012
  • Euro zone discussed capital controls if Greek exits euro: sources– Reuters, 11.06.2012
    • „European finance officials have discussed limiting the size of withdrawals from ATM machines, imposing border checks and introducing euro zone capital controls as a worst-case scenario should Athens decide to leave the euro.“
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