Spanien kurz vor der Explosion?

So sehen es zumindest die Zeit und das Handelsblatt. Die Beschäftigung mit dem Grass-Gedicht soll andere brandaktuelle Themen nicht verdrängen. Ein Blick in die Presseschau zur Finanzkrise im Euroraum im heutigen Handelsblatt-Newsletter Finance Today rückt die Relationen wieder zurecht.

Spanien kurz vor der Explosion

Die Krise in Spanien droht zu eskalieren. Nach Angaben der spanischen Notenbank stieg der Anteil der faulen Kredite im Februar auf den höchsten Wert seit 1994 (» Welt » WSJ D ). Nach Recherchen der » Süddeutschen Zeitung haben sich eine Reihe von Regierungen – darunter die in Spanien – und EZB-Vertreter für die Vergabe von Krediten aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF direkt an kriselnde Banken (statt nur an die Regierungen) ausgesprochen. Im » Spiegel zeigt sich Wolfgang Münchau besorgt, weil sich einige große Investitionsgesellschaften aus dem Euro-Raum verabschieden – Investoren hätten allein in Spanien innerhalb von zwei Jahren mehr als hundert Milliarden Euro abgezogen. Der Rückzug könnte die Politik letztendlich zur Einführung von Euro-Bonds oder zur Einrichtung einer Auffanggesellschaft für marode Banken treiben. In Spanien habe sich inzwischen ein so explosives Gemisch entwickelt, schreibt die » Zeit , dass ein Schuldenschnitt und damit eine neue europäische Bankenkrise beinahe programmiert seien. Nach Einschätzung von » Bloomberg ist ein Teil der aktuellen wirtschaftlichen Sorgen Spaniens in der Zeit der Franco-Diktatur verwurzelt, darunter das Arbeitsrecht. Martin Halusa, Chef bei der Privat-Equity-Firma Apax Partners, blickt nach einem Bericht der » New York Times in eine düstere Zukunft des alten Kontinents. Europa drohe ähnlich wie seinerzeit Japan eine lange Phase langsamen Wachstums.

Banken bleiben Schwachstelle

Das entschlossenen Handeln der europäischen Politik hat die Finanzmärkte der Euro-Zone zwar entlastet. Doch bleibt der Druck auf die europäischen Banken weiterhin hoch. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass sich die gesamte Bilanzsumme der EU-Banken bis Ende 2013 um 2,6 Billionen Dollar verringern könnte (» Handelsblatt » Financial Times ).

Hellas-Hilfe in Zahlen

Wie teuer war die Rettung Griechenlands bisher? Nach Angaben der EU-Kommission kostete der Hilfseinsatz bislang 380 Milliarden Euro – 33.600 Euro pro Einwohner. In die Rechnung flossen demnach Beihilfen, Kredite und der Schuldenerlass privater Investoren ein (» Manager Magazin ). Die EU-Kommission hat eine Zwischenbilanz der Griechenland-Rettung gezogen. Fazit: Das Krisenland könne den Aufschwung schaffen (» Spiegel ).

Soli für die Eurozone

Mohamed El-Erian, Chef der weltgrößten Anleihefondsgesellschaft Pimco (verwaltet rund 1,8 Billionen Dollar), will Euroland mit der Einführung einer Solidaritätsabgabe nach deutschem Vorbild retten (lassen). Darauf könnten weitere Schritte wie eine Vergemeinschaftung von Schulden über Eurobonds folgen, rät El-Erian im Gespräch mit der » Financial Times Deutschland.

Andererseits: am 19.04. um 11.02 Uhr die Eilmeldung der Financial Times Deutschland: Anleger reißen sich um spanische Staatsanleihen. Außerdem: Wie sich Spanien gegen den Absturz stemmt.

Siehe auch:

  • Europa den Regionen Bernhard Clemm über Europäisierung und Regionalisierung in Spanien – The European, 17.04.2012
    • „In der Krise trauen Spanier ihren Politikern immer weniger. Zudem nagen Autonomiedebatten an der Legitimität des zentralistischen Staats.“
  • Wie Spanien aus der Krise kommtMartin Dahms Analyse zu Spanien: Weder Siesta noch Fiesta – Frankfurter Rundschau, 19.04.2012
    • „Spanien machte den Fehler, der Eurozone zu früh beizutreten. Jetzt ist es zu spät für einen Rückzieher, aber es gibt einen anderen Weg aus der Krise.“
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2 Kommentare

  1. DCWorld

     /  19. April 2012

    Nur weil die spanischen Papiere abgesetzt wurden, heisst es noch lange nicht, dass das Land auch gerettet ist. Denn mit den Staatsanleihen werhält er sich so:

    „“Die Käufer der spanischen Anleihen haben die Auktion nur deshalb über die Bühne gebracht, weil sie sich Geld geliehen haben, von jemandem der kein Geld besaß und es deshalb erst drucken musste. Sie haben damit ein Staatspapier gekauft, das nicht das wert ist, was es verspricht. Damit ist auch der Kauf ohne Wert.“
    Quelle: http://www.start-trading.de/blog/2012/04/19/boerse-spanien-auktion-verschaukelt-trader/

    Es geht im Grunde immer nur um die Lage, die man positiver darstellen will, als sie tatsächlich ist. Das spanische Anleihen an die Anleger verkauft worden sind, ist völlig unerheblich. Trotz des reisserischen Titels der FTD.

    Antworten
    • Markus Wichmann

       /  20. April 2012

      Das Zitat verstehe ich nicht. Die Tatsache, dass die neuen spanischen Anleihen zu gleichbleibenden Zinsen so gut abgesetzt werden konnten, zeigt, dass die Investoren Vertrauen in die längerfristige Zahlungsfähigkeit des spanischen Staates haben. Das ist keineswegs unerheblich, sondern die Voraussetzung dafür, dass das Land sich am Kapitalmarkt refinanzieren kann und nicht auf Hilfen aus den EU-Rettungsschirmen angewiesen ist, zumindest nicht derzeit.

      Antworten

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