Griechenland-Desaster: Operation gelungen, Patient siecht dahin

Die Griechenland-„Rettung“ erweist sich immer mehr als ein systematisch falsch angelegtes Projekt mit eingebauter Logik des Misslingens. Die Herren des Euro mit der Dame an der Spitze sorgen zwar erneut für eine Verschiebung der Bankrotterklärung und verschaffen so den eigenen Banken zunächst Luft, ihre Maßnahmen richten die griechische Wirtschaft indes vollends zugrunde. Nicht zu reden von den inhumanen Verhältnissen, die weiten Teilen der Bevölkerung aufgebürdet werden – dem Teil, der das Desaster nicht angerichtet hat. Die „griechische Elite“ kauft derweil in großem Stil Londoner Luxusimmobilien. 

Den Ernst der Lage beleuchtet schlaglichtartig die Presseschau des Handelsblatt-Newsletters „Finance Today“ vom 28. und 29. Februar 2012 (Ausschnitte):

Griechisches Fass ohne Boden

„Bei der Entscheidung des Bundestags über neue Hilfen für Griechenland ging es um viel mehr als eine Finanzspritze: Der Forderungskatalog greift tief in Hellas‘ Staat und Wirtschaft ein – überall legt die Troika Hand an“, analysiert das » Handelsblatt. „Das griechische Fass hat nun mal keinen Boden, kommentiert die » Welt. Es sei unschwer zu erkennen, dass auch das zweite Hilfspaket den Griechen nicht helfen wird. Die Gründe dafür sollte man endlich offen benennen. „Befreit die Griechen vom Euro“ meint sogar die » Wirtschaftswoche. Die gesamte Rettungspaket-Diskussion findet nun auch umfassend im Boulevard-Blatt » Bild statt: „Experten über Griechen-Irrsinn – Europa droht der Untergang“, titelt die Zeitung nach einer Umfrage unter Ökonomen. Das sieht der Schweizer Ökonom Thomas Straubhaar ähnlich und sagt im Interview mit der » Handelszeitung „Griechenland müsste ein Protektorat werden“.

Problemfall Anleihen

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s hat ihre Ankündigung in die Tat umgesetzt und Griechenland mit Bekanntgabe des Schuldenschnittangebots auf teilweise zahlungsunfähig gestuft. Die Situation kann sich nach Angaben von S&P jedoch dann wieder entspannen, wenn genügend Anleihebesitzer ihre Wertpapiere wie vorgeschlagen umtauschen. » (Handelsblatt) „Aber die Griechenland-Tragödie hat Konsequenzen für den ganzen Anleihemarkt. Das Problem ist die Ungleichbehandlung von privaten und öffentlichen Gläubigern“, analysiert die » Wirtschaftswoche. Denn private Gläubiger verlieren drei Viertel und bekommen nichts. „Welcher Investor sollte auch Portugal die Stange halten, wenn er damit rechnen muss, dass nachträglich alle Verträge zur Disposition stehen?“, fragt das Magazin. 

Unpatriotische Eliten

Laut » Spiegel berichten große britische Maklerhäuser, dass Griechen und Italiener fast elf Prozent aller in London auf den Markt gekommenen hochwertigen Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen gekauft haben. „Die griechischen Eliten verhalten sich unpatriotisch“, sagt BDI-Chef Keitel. » (Zeit)

Billiges EZB-Geld

Die Sorge vor einer Kreditklemme in der Euro-Zone lässt nach: Die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen ist im Januar nur leicht zurückgegangen. Die EZB will nachlegen und den Banken erneut Geld für drei Jahre leihen. » (Handelsblatt) „Die Banken jubeln über die Milliardenkredite der EZB. Mit dem billigen Geld sorgen einige bereits für einen Zusammenbruch des Euro vor“, kommentiert die » Welt. In einem weiteren Kommentar prangert die » Welt die Milliarden-Kredite an südeuropäische Banken an: „Die EZB verschachert Deutschlands Bonität“.

Kampf gegen Risiko-Bilanz

Hans-Werner Sinn , Chef des Ifo-Instituts, entdeckte vor gut einem Jahr ein gigantisches Risiko in der Bilanz der Deutschen Bundesbank. Seitdem kämpft der Ökonom dafür, das Thema ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, wie der » Spiegel ausführlich beschreibt. „Wenn der Euro zerbrechen sollte, haben wir eine Forderung von fast 500 Milliarden Euro an ein System, das es dann nicht mehr gibt“, sagt Sinn.

Aus Finance Today vom 29.02.2012

Folgen der Zahlungsunfähigkeit

Standard & Poor’s hat Griechenland für teilweise zahlungsunfähig erklärt. Dadurch akzeptiert die Europäische Zentralbank nun vorerst keine Staatsanleihen aus Athen mehr als Sicherheit. Aus diesem Grund hat die EZB entschieden, dass sich die betroffenen Geldhäuser bei Liquiditätsengpässen mit Notkrediten ihrer nationalen Notenbanken eindecken sollen. » (Spiegel » NZZ) Unterdessen hat nach Informationen des » Wall Street Journals ein bislang unbekannter Marktteilnehmer bei der Internationalen Swaps und Derivate Vereinigung angefragt, ob nun die Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) für die Staatsanleihen in Anspruch genommen werden können. Das könnte das Finanzsystem erschüttern, schreibt die » New York Times.

Billiges Geld

Die EZB bietet den Banken heute wieder Geld zu Billigkonditionen. Damit kann nach Meinung der Ratingagentur Fitch der Zusammenbruch schwächelnder Banken nur hinausgezögert werden. » (FTD) Die britische » Financial Times zeigt eine Grafik, wieviel EZB-Geld in den einzelnen Ländern bislang genommen wurde. Weitere Links: » CNN » Wall Street Journal

Aufbaukommissar, übernehmen Sie!

Jean-Claude Juncker, Euro-Gruppenchef, will in Brüssel einen neuen Zuständigen für die griechische Wirtschaft einsetzen. Der sogenannte Aufbaukommissar soll alle Kompetenzen der EU-Kommission für das krisengebeutelte Land bündeln, um einen „Sparkommissar“ handele es sich nicht. » (Handelsblatt » Spiegel » Welt) „Denn aus eigener Kraft schafft es Griechenland nicht“, beschreibt das » Handelsblatt die ökonomische Situation des Landes. Das Krisenland habe die Wirtschaftsstruktur eines Schwellenlandes. Nur die Fischerei, Landwirtschaft und die Tabakbranche seien wettbewerbsfähig

Hinterlasse einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: