Denkanstöße aus dem Netz (2)

Presseschau des Handelsblatt-Newsletters „Finance Today“ 29.11.2011:

Bundesregierung bringt EU-Partner gegen sich auf

Die politische Führung der Euro-Zone hat es immer wieder versprochen: Der griechische Schuldenschnitt soll ein einmaliger Vorgang bleiben. „Das machen wir nur für Griechenland, wir werden es für kein anderes Land der Euro-Zone machen“, sagte Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach dem Euro-Sondergipfel am 22. Juli. Griechenland sei ein „Sonderfall“, bekräftigte Kanzlerin Angela Merkel am 17. November. Ob die Euro-Zone Wort hält, ist nicht sicher. Hinter den Brüsseler Kulissen ist ein heftiger Streit darüber entbrannt, wie mit privaten Gläubigern anderer hochverschuldeter Euro-Staaten verfahren werden soll. Dabei steht Deutschland alleine gegen alle anderen Euro-Länder. » Handelsblatt Auch die internationale Wirtschaftspresse sieht die Schuld an der Eskalation bei der deutschen Regierung. Die»  Börsen-Zeitung erkennt in der aktuellen Schuldenkrise manisch-depressive Züge, denn die Stimmung wechsele zwischen übertriebenen Erwartungen und tiefer Ernüchterung. Der australische » Business Spectator sieht es als Zeichen der Verzweiflung, dass der zwischenzeitlich gescheiterte Plan, per Hebel mit den Schulden fertig zu werden, wieder hervorgeholt werde. Selbst der jüngste Dreh, die ersten 20 bis 30 Prozent der möglichen Verluste der Anleihekäufer zu versichern, würde nicht ausreichen, um Investoren anzulocken, da selbst Deutschland Probleme bei der Bonds-Emission bekomme. Die Eurozone nähere sich ihrem Ende, ist die Wirtschaftsagentur » Bloomberg überzeugt und verweist ebenfalls auf die enttäuschende Auktion deutscher Anleihen. Die » New York Times kritisiert Deutschland und die EZB, die es ablehnten, Schulden von Krisenländern im großen Stil aufzukaufen. Die Politik der Deutschen wirke verrückt. Sie schauten mit Verachtung auf die Griechen, die es ihrer Meinung nach lernen müssten, im Rahmen der eigenen Mittel zu leben, wie die Deutschen es tun.

Planspiele für den Zusammenbruch der Euro-Zone

Der weltgrößte Devisen- und Staatsanleihen-Händler ICAP hat seine elektronischen Systeme den Zusammenbruch der Euro-Zone und die Wiederbelebung nationaler Währungen durchspielen lassen.
» Presse

Düstere Moody’s-Warnung

Die Ratingagentur Moody’s fürchtet um den Fortbestand der Euro-Zone. „Die Wahrscheinlichkeit von Pleiten mehrerer Euro-Staaten ist nicht mehr unerheblich“, schreiben die Bonitätswächter in einem Sonderbericht zur Schuldenkrise. Damit steige auch das Risiko, dass einzelne Euro-Staaten die Währungsunion verlassen müssten.
» FTD »  Presse

Eurokrise:

  • Germany Cuts Off Its NoseJoe Nocera in der New York Times, 28.11.2011
    • „Self-righteousness is blinding Germans, and Americans, from making sensible policy decisions. (…) Perhaps the worst of the policy errors during the post-World War I period was the insistence of the Allies that Germany pay war reparations — reparations that went far beyond anything that the defeated Germans could afford. As the victors, the Allies felt that it was only fair for Germany to pay for the terrible war it had waged, and they didn’t much care about whether such payments would cripple the German economy. (…) There is not much doubt that this combination of public anger and economic distress helped facilitate the rise of Adolf Hitler.Today, it is Germany that is making policy moves that seem insane. Locked into their modern-day orthodoxies, German politicians look at Greece with something akin to contempt. Aid to Greece — aid that is given grudgingly, when it is given at all — must be accompanied by severe austerity measures, the Germans believe, because the Greeks need to learn how to live within their means, the way Germans do. (…) Can’t the Germans see, one wonders from afar, that their economy was the great beneficiary of the bubble economy that caused Greece — and the other peripheral euro-zone countries — to get in over their heads, because they were buying German exports? (…) You would think that all of this would be obvious to the Germans. But it is not. Germany can’t get past the fact that it is being asked to bail out “club med” countries where no one pays taxes and everyone retires at the age of 50. From the German perspective, it doesn’t seem fair. And that overwhelms even the most powerful economic arguments that bailing out Greece and the other distressed countries also helps Germany. (…) But if we — and they — can’t stop obsessing about what is fair, we’re never going to get out of our current messes. The only thing that should matter is what works. Even if it means bailing out club med nations or underwater homeowners.
  • The Euro Area Is Coming to an EndPeter Boone and Simon Johnson – Bloomberg, 28.11.2011
    • „Simon Johnson, who served as chief economist at the International Monetary Fund in 2007 and 2008, is a professor of entrepreneurship at the Massachusetts Institute of Technology’s Sloan School of Management“
  • Euro-Zone blickt in den AbgrundThomas Schmoll über den drohenden Zerfall der Eurozone und die Folgen – Financial Times Deutschland, 29.11.2011
    • „Was noch vor wenigen Wochen und Monaten ein Tabu war, ist inzwischen in aller Munde: der Zerfall der Währungsunion. Am Markt wird der Zusammenbruch schon durchgespielt.“
  • Euro-Untergangsszenarien: Der Preis des AusstiegsDavid Böcking bei Spiegel-Online, 29.11.2011
    • „Immer häufiger wird über ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone spekuliert – oder sogar über ein komplettes Aus der Gemeinschaftswährung. Das klingt oft so, als sei es nicht allzu schlimm für Deutschland. Dabei wären die Folgen katastrophal. (…) Was wären die konkreten Folgen und die Kosten einer Euro-Apokalypse – für Europa und vor allem für Deutschland? Ein Überblick.“
  • Live-Ticker zur Eurokrise – Spiegel-Online, 29.11.2011

Klimapolitik:

  • Leben auf Pump – Umweltminister Norbert Röttgen im Spiegel-Gespräch über den Uno-Klimagipfel im südafrikanischen Durban, die ökologische Verschuldung des Westens und die stockende Energiewende in Deutschland – Spiegel, 28.11.2011
    • „Die großen Krisen unserer Zeit erwachsen aus einem Denken und einer Politik, die kein Morgen kennen. Die Staaten und Finanzmärkte leben vom Pump, die Sozialsysteme sind auch in Deutschland nicht nachhaltig genug, und wir leiten unseren Wohlstand aus Ressourcen ab, die eigentlich kommenden Generationen zur Verfügung stehen müssten. Wir machen Finanzschulden, Sozialschulden, Ökoschulden. Das summiert sich zu einem Schuldenleben, das die Verantwortung für die Zukunft ausblendet. (…) Wir haben es auf jeden Fall mit einer umfassenden Systemkrise zu tun. Der Lebensstil der letzten Jahrzehnte bestand in einem gefährlichen Gegenwartsegoismus, den wir jetzt überwinden müssen. (…) Der ökologische Schuldenberg ist am größten. Wenn eine Finanzblase platzt, kann man Rettungspakete schnüren und vom Abgrund wieder wegkommen. Wenn Ökosysteme kaputtgehen, kann man nicht einfach ein Rettungspaket schnüren. Dann besteht die Gefahr, dass es kein Zurück in einen guten Zustand gibt.“
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