Und täglich grüßt die Eurokrise (2)

Aus dem Handelsblatt-Newsletter Finance Today:

Die Krise ist kein Wunschkonzert, Mrs. No

Die Regierungswechsel in Rom und anderswo beruhigen die Märkte nicht, der Rettungsschirm ist zu klein. Um den Euro zu stützen, muss die EU nun zwischen zwei Übeln wählen: Euro-Bonds kommen oder die Notenpresse läuft an, bringt das » Handelsblatt die Pest-Cholera-Wahl auf den Punkt. Beide Szenarien seien keine Zaubermittel ohne Nebenwirkungen, meint » n-tv.de.Allerdings sei es für „Wünsch dir was“ zu spät.Das » ZDF hinterfragt das Veto von „Mrs. No“ Angela Merkel (li.) gegenüber Eurobonds. Dahinter stecke der Kampf um die deutsche Führungsrolle in Europa. Das » Wall Street Journal meint, der von der deutschen Regierung präferierte Weg zu einem veränderten EU-Vertrag sei zu lang. Die » Zeit will den Deutschen die Angst vor der Inflation nehmen. Der Run auf die Banken und Staaten könne nur mit einer gehörigen Portion Liquidität gestoppt werden. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso (rechts) wird von der » Süddeutschen Zeitung abgewatscht. Mit seinem Plädoyer für Eurobonds habe er eine Tür zugeschlagen, statt Brücken nach Berlin zu bauen – weshalb Merkel ihn dermaßen angegriffen habe wie noch kein deutscher Regierungschef in der Geschichte der EU. Die Krise sei mittlerweile derart weit fortgeschritten, dass ohne die EZB nichts mehr gehe, und auch nichts ohne Euro-Bonds, schreibt FTD-Mitgründer Wolfgang Münchau auf » Spiegel Online.„Eurobonds befreien uns von der Kurzatmigkeit der Finanzmärkte“, wirbt Thomas Lux vom Institut für Weltwirtschaft im » Standard für die gemeinsamen Bonds.

Drohen Deutschland Refinanzierungsengpässe?

Bei der jüngsten Emission deutscher Staatsanleihen ist die Finanzagentur auf einem Drittel ihrer Bonds sitzen geblieben » (FT » WSJ). Die » FTD hinterfragt die „schlechteste deutsche Anleiheemission seit der Einführung des Euro“, die für Berlin ein Schuss vor den Bug sein sollte – denn auch das „Herz der Euro-Zone“ stehe kurz vor dem Infarkt. Die Zahl der sicheren Häfen weltweit sei seit gestern um einen kleiner, schreibt das » Wall Street Journal. Pikant sei vor allem, dass die Bundesbank die restlichen Anleihen übernimmt, für die keine Interessenten gefunden werden konnten, schreibt » Les Echos. „Bei der EZB sieht Deutschland solch ein Vorgehen gar nicht gern, das ist paradox.“ Keine Panik, hält die » Börsen-Zeitung dagegen. Völlig zu Recht betone auch die Deutsche Finanzagentur, dass für den Bund keinerlei Refinanzierungsengpass bestehe.

Achtung, zweite große Depression

David Bloom, HSBC-Chef-Währungsstratege, hält den Austritt einzelner Staaten aus der Eurozone für fatal. Die Aussteiger müssten Kapitalverkehrskontrollen einführen, den Wechselkurs festsetzen und die Banken verstaatlichen. „Es würde ohne Zweifel einen Run auf die Banken geben, das komplette System würde kollabieren.“ Am Ende drohe eine zweite große Depression. „Ich glaube nicht, dass irgendwer in Europa so blöd ist, dass er das erlauben würde.“
» Handelsblatt

Folgende besonders aufschlussreichen Berichte, Analysen und Kommentare zur Eurokrise wurden der Dokumentation heute hinzugefügt:

  • „Dreiertreffen in Straßburg: Gemeinsam gegen Eurobonds“Michaela Wiegels detaillierter Bericht über das Treffen – FAZ, 24.11.2011
    • „Italiens Ministerpräsident Monti und Frankreichs Präsident Sarkozy pflichten beim Dreiertreffen in Straßburg der Kanzlerin bei. Die Deutsche gibt dort den Ton an: „Eurobonds wären das falsche Zeichen“.“
  • „Seiltanz zum ‚europäischen Deutschland'“ – Gastautor Jackson Janes leitet aus der Geschichte her, warum es auf ein „europäisches Deutschland, kein deutsches Europa“hinauslaufen wird.- Süddeutsche Zeitung, 24.11.2011
    • „Die Wirtschaftsmacht Deutschland muss in der Euro-Krise die Verantwortung übernehmen – auch wenn sie sich dadurch unbeliebt macht. Bundeskanzlerin Merkel steht vor der Aufgabe, deutsche Interessen in Einklang mit europäischen Zielen zu bringen. Dafür ist zu Hause und in Brüssel noch viel Überzeugungsarbeit nötig. (…) Sollte der Euro kollabieren, dann ist Deutschland schuld, weil es seiner Führungsrolle bei der Euro-Rettung nicht gerecht geworden ist. Wenn Deutschland aber führt, wird es sich all der Kritik aussetzen, die mit Führung einhergeht. (…) Es erscheint mehr und mehr Deutschen so, dass ein deutsches Europa mit deutschen Steuern, einer deutschen Wirtschaft und der deutschen Disziplin ein besseres Europa sein würde, wenn die Mitglieder diesem Weg nur folgen würden. Das Problem ist, dass die Deutschen dies entweder zu leise sagen – oder zu laut. Die Idee einer Führungsrolle Deutschlands wird immer auch im Kontext der Vergangenheit gesehen. (…) Die deutsche Kanzlerin gleicht in dieser Situation einer Seiltänzerin, die um ihre Balance kämpft.“
  • „So funktionieren Euro-Bonds“Spiegel Online über ein Vorschlagpapier der EU-Kommission mit drei Varianten für Euro-Bonds – Überblick über die Modelle, ihre Vor- und ihre Nachteile – 24.11.2011
  • „Streit über Euro-Bonds: ‚Die Deutschen werden einknicken'“ – Interview mit Stefan Hofrichter, Chefvolkswirt von Allianz Global Investors, Deutschlands größtem Asset Manager – Stefan Schultz für Spiegel online, 24.11.2011
    • „Die Euro-Krise geht in die Endphase: Mit Italien und Spanien stehen große Volkswirtschaften am Abgrund, die im Ernstfall kaum gerettet werden können. Anlage-Profi Stefan Hofrichter erklärt im Interview, warum kein Weg an einer gemeinsamen Schuldenpolitik vorbeiführt – und was das Deutschland kostet.“
  • „Merkel pfeift Sarkozy zurück“Carsten Volkery mit einer umfassenden Einordnung der Ergebnisse des Straßburger Dreiertreffens – Spiegel, 24.11.2011
    • „Angela Merkel bleibt hart: Beim Dreiergipfel mit Frankreichs Sarkozy und Italiens Monti ließ die Kanzlerin Wünsche nach Euro-Bonds oder einem stärkeren Engagement der Europäischen Zentralbank abblitzen. Trotzdem kann sie die Debatte darüber nicht mehr stoppen. (…) Während sie ihre EU-Kollegen weitgehend im Griff zu haben scheint, hat sie keinerlei Kontrolle über die Finanzmärkte. Und die könnten früher oder später radikales Handeln erzwingen.“
  • „Fondsmanager warnen vor Stillstand auf Anleihenmarkt“ – Spiegel, 24.11.2011
    • „Finanzprofis in Sorge: Weil sich zuletzt selbst für deutsche Anleihen nicht mehr genügend Abnehmer fanden, warnt Deutschlands größte Fondsgesellschaft vor einem Zusammenbruch des Markts. (…) Die Staaten müssen sich ernsthaft fragen, von wem sie künftig noch Geld bekommen. Nicht nur die Banken gingen in einen Käuferstreik über, auch Vermögensverwalter und Versicherer zögen sich zunehmend zurück. Die Anlageklasse sei einfach nicht mehr risikofrei.“
Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare

  1. Die Krise geht in die heiße Phase, und trotz des beachtlichen Zeitraumes, den sie bisher eingenommen hat, gibt es keine Lösungsideen, die auch praxistauglich umsetzbar sind, ohne in einer Tragödie zu enden.

    Antworten
    • Markus Wichmann

       /  25. November 2014

      Wenn man bedenkt, dass der Beitrag, den Sie hier kommentieren, vor 3 Jahren geschrieben wurde – und wir sind seitdem nicht wesentlich weiter gekommen. Es kamen lediglich neue Krisenherde hinzu, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zogen und die Eurokrise aus dem Blickfeld drängten.

      Inzwischen hält allein die EZB den Laden am laufen, hält die Zinsen bei Null und kauft alles auf, was stören könnte. Dass ihre Bilanzsumme dabei schwindelerregende Größenordnungen erreicht und sie zu einer Bad Bank wird, scheint niemand zu interessieren, außer vielleicht die Herren Sinn und Weidmann. Aber auf die hört ohnehin keiner.

      Und die Jugend Südeuropas geht derweil vor die Hunde, denn die Maßnahme, mit der man den Schlamassel beenden könnte, ohne dass es eine Tragödie gäbe, die hat man abgeschafft: eine Währungsabwertung der Problemstaaten.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: