„This Is The Way The Euro Ends“ (Paul Krugman)

In einem Beitrag vom 9. November zu seinem New York Times-Blog nimmt Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman kein Blatt vor den Mund und empört sich über die „politische Idiotie“ und „schiere Dummheit“ der Strategie der Europäischen Zentralbank in der Eurokrise. Lesen Sie selbst. (Übersetzung und Hervorhebungen von mir.)

„This is the way the Euro ends. Not with a bang but with bunga-bunga.“

Ernsthaft, mit den jetzt reichlich über 7 % liegenden 10-jährigen italienischen Staatsanleihen sind wir nun in einem Bereich, in dem all die Teufelskreise auf Touren kommen – und die führenden europäischen Politiker erscheinen gebannt wie Wild im Scheinwerferlicht. Wie Martin Wolf heute schreibt, ist das Undenkbare – ein Auseinanderbrechen des Euro – nur allzu denkbar geworden:

‚Eine Eurozone, die auf einseitiger deflationärer Anpassung aufbaut, wird scheitern. Das erscheint gewiss. Wenn die politischen Führer der Eurozone an dieser Strategie festhalten, werden sie die Folgen zu tragen haben.‘

Jeder nur halbwegs plausible Weg zu einer Euro-Rettung erfordert eine radikale Änderung der Politik der Europäischen Zentralbank. Aber wie John Quiggin in der Times von heute darlegt (Übersetzung), ist die EZB in Wirklichkeit Teil des Problems.

Ich glaube, die zurückliegende Zinserhöhung der EZB wird als klassisches Beispiel politischer Idiotie in die Geschichte eingehen. Zwar wären wir wahrscheinlich auch dann noch in diesem Schlamassel, wenn die EZB die Zinsen nicht angehoben hätte, aber die schiere Dummheit, von Inflation besessen zu sein, wenn offensichtlich der Euro insgesamt auf dem Spiel steht, übersteigt das Vorstellungsvermögen.

Es fällt mir immer noch schwer zu glauben, dass der Euro scheitern wird; aber es erscheint ebenso schwer anzunehmen, dass Europa tun wird, was erforderlich ist, damit dieses Scheitern noch vermieden werden kann. Unaufhaltbare Kraft trifft unbewegliches Objekt – schau Dir die Explosion an („Irresistible force, meet immovable object — and watch the explosion“).

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4 Kommentare

  1. Ausgerechnet die Schuldenweltmeister fühlen sich berufen Tipps zu geben? Paul Krugmann möge den Spruch von der eigenen Haustür berücksichtigen, denn dort hat er weit mehr zu tun als in Europa.
    http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/13/system-crash-kommt-nach-den-us-wahlen/

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    • Markus Wichmann

       /  13. November 2011

      Da hat er nicht mehr zu tun – die Fed nimmt ihm die Arbeit ab. Und unsere derzeitigen Euro-Probleme hat der Dollar ebenfalls nicht. Offenbar gibt es auch hochverschuldete Staaten, die keine Zins- oder Währungsprobleme haben.

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  2. Sie werden sich 2012 und 2013 noch wundern, welche „hochverschuldete Staaten keine Zins- oder Währungsprobleme haben“; Herr Wichmann, das versichere ich Ihnen. Die Tatsache, dass dieses Thema vom Geldadel derzeit bewusst unter der Deck gehalten wird, spricht nur dafür und nicht dagegen. Griechenland und Italien sind herrliche Ablenkungsmanöver, nicht mehr und nicht weniger. Gegen die Verschuldung von Grossbritannien und der USA sind beide schlicht ein Witz.

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    • Markus Wichmann

       /  14. November 2011

      Gut möglich. In beiden Fällen agiert die Zentralbank jedoch als „lender of last resort“. Viele Makroökonomen (die gefühlte Mehrheit), auch die von mir in den letzten Tagen übersetzten halten dies für den entscheidenden Unterschied.

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