Die Logik des Misslingens

Vor nicht einmal 10 Tagen prognostizierte Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, das chronische Loch im Euro-Eimer werde in Kürze zur „Eurodämmerung“ führen. Die Märkte hätten Griechenland abgehakt und Italien werde nun ins Fadenkreuz kommen. Da lag der Zins für 10-jährige italienische Staatsanleihen bei 6,29 %, und Krugman sagte voraus, bei diesem Zinsniveau werde das Überrollen der bestehenden Schulden eine Zahlungseinstellung Italiens erzwingen. Heute mittag liegt dieser Zins bei 7,00 %, gestern waren es in der Spitze fast 7,5 %. Und dies, obwohl das Ende der Berlusconi-Ära unmittelbar bevorsteht.

Die sich ausbreitende Untergangsstimmung gibt der Handelsblatt-Newsletter „Finance Today“ heute in seiner morgendlichen Presseschau wieder.

„Duce“ Berlusconi hinterlässt verbrannte Erde

Silvio Berlusconi geht, doch die Probleme bleiben. Dies ist auf dem Bondmarkt zu sehen, wo die Rendite italienischer Anleihen kein Halten mehr kennt. Profiteur der Krise ist Deutschland, weil Bundesanleihen in puncto Sicherheit das Maß aller Dinge sind » (HB » FTD » NYT » FT » WSJ). Nach Einschätzung der » Financial Times Deutschland sieht sich Berlusconi nach seinem erzwungenen Rücktritt von allen verlassen – wie einst der faschistische Diktator Mussolini. Im Kommentar warnt die » FTD vor einem Vakuum in Rom wegen fehlender politischer Alternativen – was wiederum ein Desaster für Europa wäre. Die » Zeit befürchtet, dass der Geist des „berlusconismo“ in Italien weiter sein Unwesen treiben werde – gemeint sind der Abschied vom Gemeinsinn, die Leugnung offensichtlicher Missstände und die „Unkultur der Lüge“. Die » Süddeutsche Zeitung beklagt, dass die Krise noch nicht überstanden sei, da das alte System sich an die Macht klammere. „Am Ende aber wird die Demokratie ihre Würde bewahren und das parlamentarische System für die notwendige Korrektur sorgen.“ Der » Economist sieht Europa in der „Todesspirale“.

Hellas-Drama ohne Ende

Nach dem angekündigten Rückzug Papandreous tritt Griechenland auf der Stelle. Regierung und Opposition konnten sich bis jetzt auf keinen Ministerpräsidenten einigen, der die Notregierung führen soll » (HB » FTD » WSJ). Das » Manager Magazin zitiert Kreise der beiden großen Parteien, wonach Parlamentspräsident Filippos Petsalnikos neuer Ministerpräsident werden solle. Die » Zeit kritisiert das „unwürdige Schauspiel“ bei der Suche nach einer neuen Regierung. Ex-Premier Papandreou und sein Kontrahent Antonis Samaras fehle wie vielen Vertretern der politischen Elite Griechenlands die „notwendige Demut“ gegenüber dem Wähler und das Verständnis für den Ernst dieser Schuldenkrise. 

Gleichzeitig prognostiziert die EU soeben einen Anstieg der Verschuldung Griechenlands auf 200 % des Bruttoinlandprodukts für die kommenden beiden Jahre – eine direkte Folge der den Griechen aufgezwungenen verheerenden Austeritätspolitik, die das Land in eine abgrundtiefe Rezession treibt: ein klassischer Fall von Teufelsaustreibung mit dem Beelzebub.

Zum Bankrott der politischen Systeme in Griechenland und Italien kommt die Unfähigkeit der europäischen Spitzenpolitik, die katastrophalen Sekundärfolgen der von ihr beschlossenen Rettungsmaßnahmen einzukalkulieren: die Logik des Misslingens.

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Ein Kommentar

  1. Abgesehen davon, dass mich die „Rettung“ einer künstlichen Währung als Bewahrung vor dem Zerfall eines vereinten Europa ungemein amüsiert😉 , müsste doch ganz langsam jedem klar werden, dass es weder an den Griechen noch an Berlusconi liegt.

    „The systemic risk“ eines untauglichen Wirtschaftsmodells hat zugeschlagen und ist durch Symptom-Bekämpfung nicht mehr vertreiben.

    Wie wäre es denn jetzt mal mit nach-vorne-Denken?
    http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/06/serie-der-tag-nach-dem-crash-teil-1-das-bandbreitenmodell/

    Antworten

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