Zur Psychostruktur des Anders Breivik

Anders Behring Breivik, der Massenmörder von Oslo, stellt seine Taten in den Zusammenhang einer rechtsextremen Ideologie, die er in einem 1.516 Seiten umfassenden Manifest und – in Kurzfassung –  in einem Video dargestellt hat.

Es handelt sich dabei um islamophobes Gedankengut, wie es u.a. von dem holländischen Rechtsextremisten Geert Wilders vertreten wird: Das Abendland soll vor einem „kulturellen Marxismus“ gerettet werden, der u.a. auf die 68er-Generation zurückgeht, und der dem allen rechtsextremen Psychopathen verhassten Grundübel, einer multikulturellen Gesellschaft, den Weg bereitet (Multikulturalismus).

Der Münchner Psychoanalytiker und Autor Wolfgang Schmidbauer („Der Mensch als Bombe“; „Psychologie des Terrors“) hat gegenüber dpa einige interessante Hinweise zur psychischen Struktur und Psychodynamik des Osloer Attentäters gegeben:

Täter wie Breivik wollen Helden sein

Fanatische Täter wie der Norweger Anders Behring Breivik wollen nach Ansicht des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer häufig als Held in die Geschichte eingehen. «Heldenmythen haben immer schon eine große Anziehungskraft auf junge Männer ausgeübt», sagte Schmidbauer.

Er verwies darauf, dass Breivik seine Tat in einem ausführlichen ideologischen Pamphlet erklärte und sich nach den Attentaten nicht selbst erschoss.

Zur Frage, warum solche Täter offenkundig kein Mitleid kennen, sagte Schmidbauer: «Ich denke, sie schalten innerlich um.» Die Täter befänden sich während der Tat allen Anzeichen nach in einem tranceähnlichen Zustand. «Darin spielen sie die Rolle des heroischen Killers», sagte Schmidbauer, der unter anderem das Buch «Psychologie des Terrors: Warum junge Männer zu Attentätern werden» verfasste.

Der Psychoanalytiker geht davon aus, dass Täter bei der Planung der Tat ihre Empathie – also die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen – verlieren. «Empathie entwickelt sich in der Kindheit. Diese Täter kommen fast immer aus zerbrochenen Familien und hatten oft Eltern, die mit ihrem Streit so beschäftigt waren, dass sie keine Möglichkeit hatten, sich in das Kind einzufühlen.»

Oft hätten diese Täter keinen empathischen Vater und kein positives Vorbild für Männlichkeit gehabt. Später hätten sie schließlich selbst Probleme mit ihrer Männlichkeit, die sie mit Größenfantasien aufzuwerten versuchten. «Sie sind unzufrieden und unglücklich. Sie schauen auf andere Menschen, denen das Leben Freude macht und entwickeln einen tief verwurzelten Hass und Neid auf diese Personen.»

Die Rolle des Helden nähmen die Täter lange Zeit nur in der Fantasie ein, wenn sie beispielsweise entsprechende Computerspiele spielten oder Actionfilme sähen. Griffen sie dann in der Realität zu Waffen, hielten sie sich in ihrem Selbstbild nicht für Kriminelle. «Sie wollen Helden und Retter sein. Das macht sie so gefährlich und gleichzeitig so unscheinbar», sagte Schmidbauer.

Dazu folgende Passage aus Breiviks Manifest:

„I have an extremely strong psyche (stronger than anyone I have ever known) but I am seriously contemplating that it is perhaps biologically impossible to survive the mental, perhaps coupled with physical torture, I will be facing without completely breaking down on a psychological level. I guess I will have to wait and find out.

Regardless of the above cultural Marxist propaganda; I will always know that I am perhaps the biggest champion of cultural conservatism, Europe has ever witnessed since 1950. I am one of many destroyers of cultural Marxism and as such; a hero of Europe, a savior of our people and of European Christendom – by default. A perfect example which should be copied, applauded and celebrated. The Perfect Knight I have always strived to be. A Justiciar Knight is a destroyer of multiculturalism, and as such; a destroyer of evil and a bringer of light. I will know that I did everything I could to stop and reverse the European cultural and demographical genocide and end and reverse the Islamisation of Europe.“

Weitere Beiträge zur Psychostruktur

Der nach meiner Kenntnis bisher differenzierteste Artikel über die Persönlichkeitsstruktur und Psychodynamik von Breivik, der u.a. die ausführlichen Passagen in seinem Manifest, die sich mit seinem familiären Hintergrund befassen, analysiert und interpretiert:

Zwischenzeitlich gibt es im Netz eine Vielzahl mehr oder weniger fachkundiger, aussagekräftiger Stellungnahmen zur Persönlichkeit von Anders Breivik bzw. zu seiner Persönlichkeitsstörung. Eine Aufstellung mit Links zu einigen der gelungeneren Beiträge, soweit sie mir bekannt geworden sind, aber auch zu Beispielen von ganz und gar misslungenen Psychogrammen oder ähnlichen Stellungnahmen („Zur Psychostruktur des Anders Breivik 2“)

Eine Fortsetzung dieses Artikels findet sich hier: „Zur Psychostruktur des Anders Breivik (3) – Diagnosen Forensischer Psychiater und die Frage der Schuldfähigkeit“

Andere interessante Artikel zum Fall Anders B. Breivik

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