Japan – und die Konsequenz

von Louis Levy im Roten Salon (12. März 2011) – Hervorhebungen von mir

Zuerst Erdbeben, dann Tsunami und jetzt eine vermutete Kernschmelze im Siedewasserreaktor von Fukushima.

Japan im Chaos. Wie konnte es dazu kommen?

Um dies zu beantworten muss man wissen, dass die Sicherheit von AKWs in Japan auf eine Magnitude von 8,2 nach der nach oben offenen Richterskala ausgelegt sind. Das Erdbeben östlich von Japan hatte eine Magnitude von etwa 8,9.

Knapp drüber? Weit gefehlt!

Die Richterskala trifft hauptsächlich eine Aussage zur Erdbebenauswirkung, nicht direkt zur freigesetzten Energie. Man kann jedoch aus der jeweiligen Magnitude die Energie berechnen. Ich habe das mal für die Magnitude von 7, 8 und 9 getan und festgestellt, dass sich die Energie bei jeder weiteren Richter-Magnitude um den Faktor 31,622 steigert, weil es sich um eine logarithmische Skala handelt! Von Magnitude 7 bis Magnitude 9 steigert sich die Energie also auf die 31,622 * 31,622 = 999 fache Energie!

Eine Überschreitung um 0,7 der Magnitude, auf die das AKW ausgelegt wurde, bedeutet also eine Überschreitung um die 11,22 fache Energie!

Jetzt dürfte klar werden, warum einiges in Japan „nicht wie vorgesehen klappte“ und nun die Überhitzung der Brennstäben, die Uran oder Uran-Plutonium-Mischungen enthalten, bis zur Schmelze droht. Das Spaltmaterial kann sich durch das sog. Containment, den Schutzmantel des Reaktorkerns, der meist aus Stahlbeton besteht, fressen und auch in heftigen Explosionen dabei in die Umwelt freigesetzt werden. Die physikalischen Prozesse, die dabei ablaufen, sind nicht zu stoppen.

Kann ein atomarer GAU auch bei uns in Deutschland passieren?

Darauf wird jeder Politiker mit der Unvergleichbarkeit des Standortes hinsichtlich der Bedrohung durch Erdbeben antworten. Er verschweigt aber dabei, dass die deutschen AKWs  dafür i.d.R. nur für eine Sicherheit von etwa Magnitude 5.0 ausgelegt sind, obgleich in Teilbereichen Deutschlands (z.B. Mülheim-Kärlich) durchaus in Zukunft Ereignisse bis zur Magnitude 6,0 oder sogar darüber vorkommen könnten! (Ahorner 1978, S. 12).

Selbst wenn unsere AKWs mit hoher Wahrscheinlichkeit „sicher“ wären, vertrete ich die Ansicht, dass in Deutschland, aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte (229 EW/km2 – in Japan mit 337 EW/km2 sogar noch höher!), KEIN noch so kleines Restrisiko eingegangen werden darf. Ich bin deshalb gegen Atomkraft, bzw. für einen möglichst schnellen Ausstieg.

 

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  1. Zwei Fragen für die ARD-Sondersendung „Atom-GAU in Japan“ « Denkraum

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