Wallstreet-Banker Paulson will Bankenhilfsfond allein verwalten

Der amerikanische Finanzminister Paulson ist der Mann der Stunde.

„Seit Wochen arbeitet Paulson Tag und Nacht mit einem kleinen Team, allzeit bereit, volle Pulle gegen den drohenden Finanzkollaps. Der ehemalige Football-Spieler gilt als energisch, ergebnisorientiert und unermüdlich. Er benutzt keine E-Mails, er telefoniert lieber. Paulson ist ein Entscheider, ein Macher – und derzeit in seinem Element: In der größten Finanzkrise seit 80 Jahren entscheidet er, welche Wall-Street-Bank Staatshilfe bekommt und welche nicht. Er droht seinen alten Kumpels mit Kontrollen und Gesetzen.“

Geradezu euphorisch berichtet der ARD-Korrespondent über den Finanzkrisenmanager der Bush-Regierung. Mit Kontrollen und Gesetzen droht er seinen alten Kumpels? Zum Politstar wurde „King Henry“ (Newsweek) mit dem beherzten Vorschlag, die gigantischen Verluste der US-Banken aus Spekulationen mit faulen Immobilienkrediten aus der Staatskasse zu decken. Jetzt regt sich allerdings Widerstand unter den Kongressabgeordneten, die von Paulson bedrängt werden, seine Vorschläge zügig als Gesetz zu verabschieden.

„Ich fordere Sie auf, so rasch wie möglich zu handeln“, rief er das Parlament auf. Keine leichte Entscheidung für die Abgeordneten. Denn der am Wochenende bekannt gewordene Gesetzentwurf gibt Paulson – oder seinem Nachfolger – einen Freibrief für zwei Jahre, über bis zu 700 Milliarden Dollar zu verfügen. „Der Finanzminister“, heißt es dort, „ist ermächtigt, mit Kreditforderungen verbundene Wertpapiere von jedem in den Vereinigten Staaten tätigen Finanzinstitut aufzukaufen“. Und zwar „zu Bedingungen, die der Finanzminister festlegt“. Praktischerweise dürfen seine Entscheidungen dann auch von keinem Gericht und keiner Behörde überprüft werden. Nur halbjährliche Berichte an den Kongress darüber, was mit den Steuermilliarden passiert ist, sind vorgesehen. Die Ziele sind zudem bewusst allgemein formuliert: Der Finanzminister soll „den Finanzmärkten Stabilität bringen“ und „die Steuerzahler beschützen“. Paulson selbst weiß offenbar am besten, wie das gehen soll.“

Die „Mutter aller Freikäufe“ sei bei den Wallstreet-Bankern schon fest eingepreist, berichtet der „Spiegel“. Kein Wunder, denn der Mann, der die Fäden zieht, ist einer der ihren – „ein Wall-Street-Gewächs in Washington“:

„Henry Paulson ging vor zwei Jahren von der Wall Street nach Washington. Keiner hat so genau verstanden, warum der damalige Chef der Investmentbank Goldman&Sachs das tat. Und keiner glaubte, dass man von diesem Alphatier der Finanzmärkte in Washington noch viel hören würde. Jetzt hören wir ganz viel. Sätze wie diesen zum Beispiel: „Es schmerzt mich, es schmerzt mich ungeheuer, den amerikanischen Steuerzahler in diese Lage zu bringen. Aber es ist besser als die Alternative.“

32 Jahre lang arbeitete Paulson für die größte amerikanische Investmentbank Goldman&Sachs, davon sieben Jahre als CEO, bevor er 2006 von Präsident Bush zum Finanzminister ernannt wurde. Nun spannt er Wallstreets Banken das Auffangnetz.

Warum machen wir nicht Ackermann zum Finanzminister, damit es auch unseren Banken endlich mal besser geht? Oder Jan Ulrich zum Chef einer neuen Doping-Behörde? Mit der Maßgabe, den Stoff nach eigenem Gutdünken abzugeben. Er kennt sich ja schließlich aus und wird schon wissen, was die Jungs brauchen.

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