Denkraum

Ideen für das 21. Jahrhundert

Weblog-Archiv für 19. September 2008

Die gegenwärtige Finanzkrise…

Verfasst von Markus Wichmann am 19. September 2008

Phasen der Subprime-Krise

Phasen der Subprime-Krise

… findet man sehr schön erläutert in einem Wikipedia-Artikel. Auch den Handel mit Hypothekendarlehen von Schuldnern mit geringer Bonität am Subprime-Markt und die zugehörigen Begriffe Asset-backed security (ABS) und Asset-backed Commercial Papers (ABCP) erklären die fleißigen Wissensvermittler präzise und gut verständlich. (S. auch das amerikanische Pendent: Financial crisis of 2007-2008).

Den Verlauf der Krise in vier Wellen beschreibt die Zeit in einer kurzen Chronik. Dass in der derzeit ablaufenden vierten Welle „das dicke Ende erst noch kommt“, wird in einem anderen Zeit-Artikel dargelegt. Viele Verlustbringer würden sich erst mit zeitlicher Verzögerung offenbaren.

„Grund dafür sind die Kreditderivate, mit denen sowohl Lehman Brothers wie auch AIG große Räder drehten. Bei solchen Derivaten werden die Kreditausfallrisiken vom eigentlichen Kredit abgekoppelt und als separate Wertpapiere gehandelt. Oftmals sind die Papiere gehebelt, sodass der Ausfall eines Kreditderivate-Emittenten von 100 Millionen Euro bei den Investoren Verluste von mehreren Hundert Millionen Euro verursachen kann.“

Die Ausweitung in eine weltweite Finanzkrise im Herbst 2008 stellt ein englischsprachiger Wikipedia-Artikel sehr gut dar.

Die tieferen Hintergründe des Desasters beleuchten Paul Barrett („What brought down Wall Street?“) und Michael Mandel („The $1 Trillion Solution: Will It Work?“) in der Business Week. Der kapitalismuskritische Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz analysiert die Finanzkrise bei CNN: How to prevent the next Wall Street crisis. Er hebt drei Verursachungsfaktoren hervor:

  • „Fed pumped too much money, aiding housing bubble“
  • „New-fangled instruments hid overuse of borrowing“
  • „Executives followed short-term interests and magnified risks“

Nach den Verwerfungen am Finanzmarkt wird nun ein Begriff wieder salonfähig, der in Zeiten ungebremster neoliberaler Wirtschfts- und Finanzpolitik als das Unwort schlechthin galt: Regulierung. „The 30-year era of deregulation came to a sudden and surprising end on Sept. 16″, stellt die Business Week fest.

Die derartigen Verläufen vorausgehende Hybris und ihre verhängnisvolle Dynamik hatte schon Goethe meisterhaft beschrieben („Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.“).

10. Okt. 2008: „Is the European Credit Crisis Our Fault? Not really—they were dumb enough to buy the mortgages.“ (Slate Explainer)

15. Okt. 2008: Rebuilding the House of Cards – What’s the future for much-maligned derivatives? (The Big Money / Slate)

11. Okt. 2008: Fortführung dieses Artikels hier: Finanzmarktkrise: „Triple A“ – Analysen

Veröffentlicht in Finanzkrise, Irrwege, Kapitalismuskritik, Politik, Systemfehler | 1 Kommentar »