Aus dem Osterurlaub zurück befasse ich mich im PsychoNeuro-Blog mit der Frage, weshalb sich die Psychologie und andere einschlägige Wissenschaften immer noch so schwer tun mit der Erklärung von individuellen und kollektiven Gewaltakten.
Archiv für April 2007
Thema „Gewalt“: Wissenschaften in Erklärungsnot
Verfasst von Markus Wichmann am 23. April 2007
Veröffentlicht in Denkstrukturen, Homo Sapiens, Medienkritik, Zivilisationskonflikte | Kommentar schreiben »
Osterbotschaft: „Wie hältst Du’s mit der Religion?“
Verfasst von Markus Wichmann am 5. April 2007
Nicht dass ich etwas gegen Ostern hätte, Gott behüte – nicht im geringsten. Es gehört zu unserer Kultur wie Weihnachten, Sylvester, Pfingsten und der Maifeiertag. Daran wollen wir nicht rütteln. Festtage unterteilen das Jahr auf das Angenehmste und heben die allgemeine Stimmung. Der Papst droben im Vatikanfenster, seine mit dem Urbi-et-Orbi-Segen verbundenen Osterwünsche in zig Sprachen – das gehört für viele unserer Mitmenschen dazu und richtet keinen Schaden an.
Dennoch wollen wir – dem Gedankengut der Aufklärung verpflichtet – daran erinnern, dass es mit dem historischen Jesus, seiner Auferstehung und dem leeren Grab so eine Sache ist. Prof. Thomas L. Thompson, Lehrstuhlinhaber für die Erforschung des Alten Testaments an der Universität Kopenhagen, erläutert sie heute eingehend in der Frankfurter Rundschau:
„Es geht mir darum, klar zu machen, dass die Evangelien nicht in einer wie auch immer rekonstruierten historischen Wirklichkeit des ersten Jahrhunderts spielen. Sie und mit ihnen das leere Grab sind Teil einer fiktiven Geschichte, in der das alte Thema des Sieges des Lebens über den Tod zu einem beeindruckenden vorläufigen Abschluss gebracht wird, wenn Jesus – wie Elia vor ihm – vom Himmel aufgenommen wird, so dass eine neue Generation ihre Geschichte wieder von Neuem beginnen kann. Der Jesus, den wir aus den Evangelien kennen, der Jesus, der am Kreuz starb und von dem es das leere Grab gibt, ist ein Jesus, den die Autoren der Evangelien – die erzählerischen jüdischen Traditionen verarbeitend – uns geschenkt haben.“
Thompson ist einer der Protagonisten der Kopenhagener Schule der Bibelforschung, die die Bibel nicht als Darstellung historischer Ereignisse, sondern als eine Sammlung von Geschichten ansieht.
„Fragen nach einem historischen Jesus gehen fehl. Ihnen geht es mehr darum, das Christentum zu legitimisieren als irgendetwas Relevantes über das zu sagen, was die Bibel meinte. Ob es jemals einen historischen Jesus gab, wissen wir definitiv nicht. Wir wissen aber: Die Evangelien sind an einem solchen Jesus nicht interessiert. Alles, was wir über Jesus wissen, stammt aus Allegorien, aus fiktiven Geschichten, die fest verwurzelt sind in uralten vorderasiatischen literarischen Traditionen. (…) Wir haben keine Ahnung, wer Jesus war, wenn er im ersten Jahrhundert außerhalb der Geschichten, die über ihn geschrieben wurden, wirklich gelebt haben sollte. Wir haben nur diese Geschichten, und keine von ihnen startet im ersten Jahrhundert.
Jesus als eine literarische Figur, eine Art Romanfigur, wie Interviewer Arno Widmann meint?
Sei’s drum. Ich halte es mit dem Pragmatiker William James. Die wesentliche Aussage seines Klassikers „Die Vielfalt religiöser Erfahrung“ (1902) könnte man so zusammenfassen: „Wenn Religion einem Menschen zu Inspiration verhilft und ihn vollkommener macht, so hat sie ihren Zweck erfüllt.“
In diesem Sinne: Frohe Ostern!
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